Neuromentaltrainerin Doris Ebner ist sich sicher: Multitasking ist das ziemlich genaue Gegenteil von Achtsamkeit – und als solches äußerst fragwürdig.<BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Ich wette, auch Sie sind schon einmal durch den Wald spaziert und haben dabei fröhlich ein Lied gesummt. Oder Sie haben ein lockeres Telefonat geführt und gleichzeitig Ihre Sachen aufgeräumt. Alles kein Problem!<BR /><BR />Müssten Sie allerdings mitten in einer hitzigen Diskussion Ihre Termine für die kommende Woche planen, würden Sie es wohl kaum schaffen, sich sowohl auf den Kalender als auch auf die Argumente Ihrer Mitstreiter voll und ganz zu konzentrieren. Gott sei Dank, denn könnten Sie das, wären Sie ein Computer. <BR /><BR />Zwar scheint die Fähigkeit zum Multitasking zu einer Grundanforderung in unserer alltäglichen Lebenswelt geworden zu sein, in Wirklichkeit steht sie jedoch in Konflikt mit unseren menschlichen Möglichkeiten.<BR /><BR /> Anders als das Betriebssystem eines Rechners, auf das der Begriff ursprünglich bezogen wurde, ist unser Gehirn nämlich nicht dafür gemacht, mehrere Prozesse (Tasks) parallel ablaufen zu lassen. Stehen wir vor einer komplexen Aufgabe, die möglicherweise sogar eine Entscheidung erfordert, werden unsere begrenzten kognitiven Ressourcen gebündelt und zur Lösung des Problems verwendet. <BR /><BR />Die Kapazitäten unseres Arbeitsgedächtnisses sind somit erschöpft, wodurch die gleichzeitige vollumfängliche Konzentration auf eine weitere Tätigkeit unmöglich wird.<h3> Eine Mammutaufgabe mit Folgen</h3>Selbst wenn wir also das Gefühl haben, an mehreren Fronten gleichzeitig aktiv zu sein, geben wir uns genau genommen einer Täuschung hin. Anstatt Zeit zu sparen, zwingen wir unser Gehirn dazu, blitzschnell von einer Aufgabe zur nächsten und wieder zurück zu wechseln. <BR /><BR />Die Abläufe werden ständig unterbrochen, sodass wir mehr Energie brauchen, um alles Angefangene zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Außerdem steigt Studien zufolge die Produktion von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol an, während Produktivität und Kreativität gemindert werden. <BR /><BR />Die Leistungsfähigkeit geht zurück und auch die persönliche Zufriedenheit nimmt ab. Wir fühlen uns schneller erschöpft und neigen im schlimmsten Fall sogar eher zu negativen Gedankenschleifen, Angst und gesundheitlichen Problemen. <BR /><BR />Verwunderlich ist dies nicht, denn auf der Suche nach einer Effizienz, die so nicht erreicht werden kann, sind wir vom Weg der Achtsamkeit immer weiter abgewichen. <BR /><BR />Während wir gedanklich damit beschäftigt waren, von einem Ort zum nächsten zu springen, ist der gegenwärtige Moment in weite Ferne gerückt. <BR /><BR />Was hilft, ist deshalb nur ein Schritt zurück – vielleicht mit einem kleinen Spaziergang im Wald, bei dem uns plötzlich die Lust überkommt, ein Lied zu summen. Und spätestens dann werden wir merken, dass Multitasking ja doch funktioniert. Nur eben etwas anders, als vermutet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009742_image" /></div> <BR /><embed id="dtext86-63967433_listbox" />