Anlass dafür ist das Jubiläum „50 Jahre Weiße Rosen“, das mit der Duettplatte „Nana & Friends“ (ab März) sowie am 27. April in der Wiener Stadthalle begangen wird. „Das müssen wir einfach feiern“, erklärte die Griechin im APA-Gespräch – und rief gleichzeitig ihr krisengeschütteltes Land zum schnellen Lernen auf.Vor vier Jahren waren Sie auf Abschiedstournee. Haben Sie die Bühne vermisst?Nana Mouskouri: Ich war 50 Jahre lang unterwegs, habe viel erlebt und dachte vor vier Jahren, meine künstlerische Zeit sei vorüber – also bin ich gegangen. Das war am Anfang sehr schwierig für mich, wenn ich dann am Abend zu Hause gesessen bin, denn meine Arbeit war immer zu singen – und das war ja keine Arbeit, sondern Lust und Freude. Wenn ich singe, versuche ich mit anderen Leuten zu kommunizieren, Liebe zu geben. Das hast du nicht mehr, wenn du nicht mehr auf der Bühne stehst.Wie kam es zum Comeback?Mouskouri: Ich bin damals aus Respekt vor meinem Publikum gegangen, aber nach vier Jahren habe ich gedacht, ich möchte noch ein Konzert geben – 50 Jahre nach „Weiße Rosen“, das müssen wir einfach feiern. Also habe ich meine Managerin und meine Freunde gefragt – und wir haben das gemacht. Und danach wurde ich gefragt, ob ich nicht ein bisschen mehr machen möchte – und ich bin natürlich sofort aufgesprungen. Voila, hier bin ich! Vielleicht war es ein Fehler, zuerst zu sagen, dass ich gehe, und nun komm ich wieder zurück – aber niemand ist perfekt. Und ich bin sehr glücklich darüber.Derzeit hat die Krise Griechenland fest im Würgegriff. Singen Sie auch ein bisschen gegen die Krise an?Mouskouri: Vor 50 Jahren, als ich „Weiße Rosen aus Athen“ gesungen habe, war das eine glückliche Zeit für Griechenland, auch wenn Ende der 60er Jahre die Diktatur kam. Aber davor waren die Leute glücklich, die Musik war sehr populär, das war eine schöne Zeit. 50 Jahre später gibt es so viel Schmerz und Leiden für Griechenland, da möchte ich mich nun auch nicht verstecken und das Land aufgeben. Ich werde auf der Bühne sicher keine Reden halten, aber vielleicht kann ich mit meiner Musik ein bisschen erklären, wie die griechische Seele ist und Hoffnung geben. Das scheint im Moment auch niemand zu verstehen. Das Land muss jetzt schnell lernen und erwachsen werden, aber man darf es nicht aufgeben. Ich liebe mein Land sehr!Wie ist denn die griechische Seele?Mouskouri: Die griechische Seele ist sehr stolz. Wir haben eine große Vergangenheit, eine Verantwortung für unsere Geschichte. Und während der fünfhundertjährigen türkischen Besatzung haben wir gelernt zu überleben und um unsere Freiheit zu kämpfen. Leider hatten wir nur wenig Zeit zu lernen, frei zu leben. Die griechische Seele ist sehr großzügig, sehr freundlich, sehr menschlich und emotional, aber auch sehr explosiv und ungeduldig. Das ist alles sehr kompliziert. Das Land muss nun Disziplin lernen, so wie ich früher. Und die Politik muss lernen, ehrlich zu sein. Die Politik hat viel gelogen und viele Fehler gemacht. Nun müssen wir aufwachen und eine Lösung finden.Sie haben mit Harry Belafonte gearbeitet, mit Quincy Jones und vielen anderen. Auf welche Zeit blicken Sie denn besonders gern zurück?Mouskouri: Sie waren alle sehr wichtig für mich, aber jeder in seiner Zeit. Ich habe von allen viel gelernt, aber auch Whitney Houston oder Amy Winehouse, Adele oder Norah Jones haben mich beeinflusst. Alles hat seine Zeit, und die Zeit wird niemals zurückkommen. Du kannst im Leben nicht stehenbleiben, entweder du gehst vorwärts oder du gehst rückwärts. Und ich mag es nicht, rückwärtszugehen. Lieber aufstehen und vorwärtsgehen. Ich glaube, Künstler bleiben immer jung in der Seele – man selbst wird älter, aber die Träume bleiben jung.Interview: Daniel Ebner/apa