<?O_Fett><?_O_Fett>Der Kirchturm, der aus dem See ragt, ist längst zu einem Symbol geworden, das weit über Südtirol hinaus bekannt ist. Ein Einzelfall ist das Schicksal der Gemeinde aber keinesfalls. <h3> Der Turm im See: Graun</h3>In Südtirol kenn ihn wohl jeder: Der Kirchturm des alten Dorfkerns von Graun, der aus dem Reschensee ragt, ist mittlerweile weit über die Grenzen der Provinz bekannt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verfolgte der Montecatini-Konzern den Plan, den Reschensee für die Gewinnung von Strom zu stauen. Die Bevölkerung war von den Plänen natürlich wenig begeistert und leistete heftigen Widerstand. Am Ende blieb dieser allerdings erfolglos. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001719_image" /></div> <BR /><BR />Die Einwohner von Graun mussten ihre Koffer packen und ihre Heimat zurücklassen. Am 9. Juli 1950 zogen sie in einer Prozession nach dem Gottesdienst aus Graun fort. Die Ortschaft wurde abgetragen und die Kirche gesprengt. Nur der historische Turm, der denkmalgeschützt ist, wurde erhalten und ragt bis heute als Wahrzeichen aus dem See. Etwas höher am Hang gelegen entstand das neue Graun. In den Fluten des Reschensees gibt es immer noch Überreste der alten Siedlung – die Geschichte über die Vertreibung der Menschen und die Entstehung des Stausees haben sich ohnehin über die Jahrzehnte weiter erhalten.<h3> Aceredo – Spaniens Geisterstadt im See</h3>Doch Graun ist bei weitem nicht der einzige Ort, dem ein solches Schicksal ereilte. Auch die spanische Gemeinde Aceredo musste für ein Stausee-Projekt geopfert werden. Gut vierzig Jahre nach den Ereignissen in Graun, zogen auch die Menschen von Aceredo aus ihrer Heimat fort, um ihre Häuser der Flutung zu überlassen. 160 Menschen mussten 1992 trotz heftiger Proteste nachgeben und ihre Sachen packen. Die 70 Häuser wurden hier nicht abgetragen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001722_image" /></div> <BR /><BR />Nachdem die Bewohner in ihre neue Heimat gezogen waren, wurde der Stausee einfach geflutet. Die Ruinen der Stadt sind seitdem unter den Wassermassen verborgen. Im Jahr 2022 kamen sie infolge drastischen Wassermangels in der Region allerdings zum Vorschein. Der beinahe ausgetrocknete See, der für die Wasserversorgung der gesamten Region zuständig ist, legte die Ruinen frei. Ein schaurig-schöner Anblick, der in zahlreichen Medienberichten Beachtung fand. <h3> Untergang einer historischen Metropole </h3>Herakleion war über viele Jahrhunderte einer der wichtigsten Häfen Ägyptens im Mittelmeer. Das Leben in der Stadt pulsierte trotz häufigem Herrschaftswechsel. Schon zu Zeiten des Alten Ägyptens befand sich hier ein wichtiger Handelshafen. Anschließend bauten ihn die Griechen und Römer zu einem religiösen und kulturellen Zentrum aus. Die Stadt Herakleion löste sogar das legendäre Alexandria als wichtigsten Hafen der Region ab. <BR /><BR />Und doch sollte all dies nicht vor dem Untergang schützen. Dieser passierte allerdings auf Raten. Denn mehrere Flutkatastrophen und Erdbeben suchten Herakleion über die Jahrhunderte Heim. Immer wieder wurde die Siedlung neu aufgebaut. Im 8. Jahrhundert n. Chr. ging die Stadt schließlich endgültig unter. Von Erdbeben geschwächt, versanken immer größere Teile des Ortes im Meer. Die Menschen waren schließlich nicht mehr bereit die Mühe auf sich zu nehmen, den Ort vor den Wassermassen zu schützen. So wurde die Siedlung aufgegeben und große Teile versanken zunehmen in den Fluten des Mittelmeers, wo sie von Archäologen wiederentdeckt wurden.<h3> Epecuen – versunken in wenigen Stunden</h3>Dieser Ort war nicht lange auf den Landkarten zu finden. Denn die Touristenstadt Villa Epecuen entstand erst im Jahr 1923 am Ufer des Lago Epecuen. Das Gewässer gab der Ortschaft auch ihren Namen. Der See ist für seinen hohen Salzgehalt bekannt und bald wurden ihm auch heilende Fähigkeiten zugesprochen. Villa Epecuen wurde zum Kurort – auch für Menschen aus Nordamerika. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001725_image" /></div> <BR /><BR />Die Stadt blühte und schien auf eine wohlhabende Zukunft zuzusteuern. Doch es sollte alles anders kommen. Wasser war jenes Element, das den Aufstieg des Ortes bedeutete, aber auch seinen Untergang besiegelte. Denn 1985 wurde das Gebiet von starken Regenfällen heimgesucht. Der Wasserpegel des Sees, die Lebensader der Stadt, stieg immer bedrohlicher an. Schließlich brachen die Dämme und das Wasser flutete die Stadt. Innerhalb weniger Stunden versank Villa Epecuen in den Fluten und musste aufgegeben werden. Seit 2009 zieht sich das Wasser allerdings wieder zurück und legt immer mehr Ruinen des alten Ortes frei.<h3> St. Thomas/Nevada</h3>Die religiöse Gemeinschaft der Mormonen ließ sich 1865 in Nevada nieder und errichtete die Ortschaft St. Thomas. Nach einigen Streitigkeiten über fällige Zahlungen für das bebaute Land, verließen die Mormonen den Ort 1871 aber schon wieder, ehe eine Gruppe von ihnen 1880 zurückkehrte und St. Thomas neues Leben einhauchte. <BR /><BR />Doch auch sie sollten hier kein langfristiges Zuhause finden. Der Hoover Dam sollte das Schicksal der Gemeinde besiegeln. Durch den Bau des Staudamms stieg der Wasserspiegel des nahe gelegenen Colorado River immer weiter an. Die Bewohner sahen sich gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Die letzten Einwohner packten 1938 ihre Sachen. Seitdem ist die Geisterstadt Teil der Lake Mead Area. Ihre Ruinen kamen zum Vorschein, nachdem der Wasserpegel des Sees zuletzt beträchtlich gesunken war.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001728_image" /></div> <h3> Rungholt: Das Atlantis der Nordsee</h3>Nicht nur das bekannte historische Atlantis hat wohl ein historisches Vorbild. Denn auch in den Fluten der Nordsee soll eine wohlhabende Metropole versunken sein. Reich soll sie gewesen sein, die legendäre Siedlung Rungholt – gelegen auf einer Insel in er Nordsee. Allerdings sei der Prunk den Menschen zu Kopf gestiegen. Bettlern hätte man auf den Kopf gespukt, die Menschlichkeit sei verloren gegangen. <BR /><BR />Die Strafe sollte folgen. Eine mächtige Sturmflut spülte die Stadt ins Meer. Die Bewohner Rungholts ertranken, ihre Stadt sollte auf Ewig versunken sein. Nur die Kirchenglocken soll man heute noch aus der Tiefe läuten hören. Die Legende hat auch hier einen wahren Kern. Denn die Siedlung Rungholt gab es tatsächlich – sie ist auf historischen Karten eingezeichnet und wurde in Texten erwähnt. <BR /><BR />Allerdings soll es sich dabei um eine bäuerliche Siedlung gehandelt haben, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder überflutet wurde. Schließlich stieg der Meeresspiegel soweit an, dass die Siedlung dauerhaft aufgegeben werden musste. Immer wieder werden Überreste von Rungholt entdeckt. Übrigens: Laut Legenden soll die Stadt alle sieben Jahre zur Johannisnacht kurz aus den Fluten auftauchen. Abenteuerlustige machten sich bisher aber vergeblich auf die Suche. <BR />