Es klingt wie aus einer anderen Zeit, dabei ist es noch keine 60 Jahre her: Paul Gasser wohnte mit seinen Eltern und den 7 älteren Geschwistern auf einem Bauernhof hoch über Weitental. Der Hof hatte keine Zufahrt, der Fußweg zur Schule war lang und steil. <BR /><BR />„Gemeinsam mit den Nachbarskindern wurden wir deshalb direkt am Hof unterrichtet, und die Lehrerin wohnte auch bei uns“, erinnert sich der heute 65-Jährige. 5 Grundschuljahre absolvierte der kleine Paul auf diese Weise – „und zusätzlich ein sechstes, weil der Hofunterricht sonst wegen einer zu geringen Schülerzahl nicht mehr erlaubt gewesen wäre.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001593_image" /></div> Sie haben ihn geprägt, ebenso wie seine 3 Mittel- und 3 Oberschuljahre im Vinzentinum in Brixen. „Dort und danach im Humanistischen Gymnasium in Bruneck habe ich mich erstmals intensiver mit Musik, Theater und auch mit Fragen rund um den Sinn des Lebens beschäftigt“, woraus eine Liebe zur Kultur und zur Philosophie entstanden ist. <h3> Musik als Dreh- und Angelpunkt</h3>Beinahe hätte Paul Gasser auch Philosophie studiert, doch mangels beruflicher Perspektiven wählte er am Ende Wirtschaftswissenschaften. Ein krasser Gegensatz, aber „keine schlechte Entscheidung“, wie er heute feststellt, nachdem er jahrzehntelang im Banken- und Genossenschaftswesen in Führungspositionen tätig war. <BR /><BR />Während der beruflichen Karriere trat das Musische eher in den Hintergrund. Doch als er Ende 2022 in den Ruhestand trat, drehte er den Spieß um. Nunmehr spielen verschiedene noch verbliebene Ämter im Wirtschaftsbereich die Nebenrolle, während die Kultur in den Mittelpunkt gerückt ist. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001596_image" /></div> „Ich war zwar schon ab 2010 Präsident der Brixner Initiative Musik und Kirche und wurde 2017 zum Präsidenten der Stiftung Haydn ernannt, aber erst jetzt kann ich mich mit Hingabe auf diese Aufgaben konzentrieren.“ <h3> Generationenwechsel als Herausforderung</h3>Und diese Hingabe spürt man vor allem, wenn Paul Gasser von der Musik von Joseph Haydn schwärmt, die ihn schon lange vor seiner Ernennung zum Stiftungspräsidenten fasziniert hat. „Sie wird von einem gewissen Optimismus durchzogen, das tut immer gut“, sagt er. <BR /><BR />Natürlich besucht er so gut wie alle Konzerte des Haydn Orchesters in Bozen, ist aber auch stark ins Kulturleben in Brixen eingebunden, wo er seit 1989 wohnt. Dort hatte Paul Gasser einen wesentlichen Anteil an der Fusion des Kulturvereines Brixen Musik mit der Initiative für Musik und Kirche, woraus 2023 die Stiftung Musik Brixen entstanden ist. „Es war ein Schritt des Kräftebündelns zweier Vereine mit ähnlicher Ausrichtung, aber auch eine Wegweisung in die Zukunft“, erklärt der nunmehrige Präsident der Stiftung.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001599_image" /></div> Denn Paul Gasser ist überzeugt davon, dass die Bürokratie nicht die größte Herausforderung des Vereinswesens darstellt, sondern dass es bald im selben Maß auch der Generationenwechsel sein wird. „Junge Menschen für einen Vereinsausschuss zu gewinnen, ist umso schwieriger, je älter dieser Ausschuss ist. Deshalb wäre eine langsame, kontinuierliche Erneuerung wichtig.“<BR /><BR />Bei der Stiftung Musik Brixen hat man eine Lösung gefunden, für die sich Paul Gasser ganz besonders eingesetzt hat: Der Stiftungsrat, der aus Personen des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Brixen besteht, unterliegt zum einen einer Altersbegrenzung von 70 Jahren. Zum anderen ist das Amt der Stiftungsräte nicht personen-, sondern funktionsgebunden. „Damit wechselt mit dem Obmann oder der Obfrau eines Vereines auch die Person im Stiftungsrat“, nennt er ein Beispiel. Und damit weht auch ständig ein frisches Lüftchen in den Entscheidungsgremien, was der Sache gut tue. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001602_image" /></div> <BR />Rund 30 Veranstaltungen im Jahr, vor allem geistliche und klassische Konzerte, organisiert die Stiftung Musik Brixen. Da gibt es allerhand zu tun. Dennoch hat Paul Gasser im vergangenen Jahr zusätzlich die Vizepräsidentschaft der Stiftung Hofburg übernommen, wo seine Erfahrung als Zahlenmensch mit kulturellem Verständnis gefragt ist. <h3> Ehrenamt als „Dividende“</h3>Paul Gasser wertet sein kulturelles Engagement als „Erfüllung“, seine Ehrenämter als „Dividende“ für das, was die Gesellschaft bzw. der Steuerzahler ihm einst in Form von finanziellen Beiträgen zum Studium gegeben hat. Die Freude an der Musik teilt er zudem mit seiner Frau, die ihn oft zu Konzerten begleitet. Mit ihr wandert er auch gerne, während er seine Skitage, vornehmlich am Kronplatz, mit Freunden teilt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001605_image" /></div> <BR />Lesen, ja auch dafür hat der Rentner nun mehr Zeit. „Zeit für die ,Zeit‘“, sagt er schmunzelnd und meint die umfangreiche Wochenzeitung, die er wegen der Hintergrundberichte schon immer gern gelesen hat. Belletristik, zum Beispiel von Francesca Melandri, liegt hingegen auf seinem Nachtkästchen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63645360_listbox" /><BR /><BR />