Burgi Volgger heißt mich im Schloss Maretsch im Zentrum Bozens willkommen – welch illustrer Rahmen für ein kurzes Gespräch. Der vereinbarte Treffpunkt hat praktische Gründe, denn schließlich hat die langjährige Volksanwältin hier ihre Mitarbeiter. <BR /><BR />Seit 3 Jahren ist Burgi Volgger Präsidentin der Stiftung Bozner Schlösser, als solche ist sie bestrebt, die historischen und kulturellen Besonderheiten von Schloss Maretsch und Schloss Runkelstein zu pflegen und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Geschichte und Kultur haben mich schon immer interessiert, denn eigentlich bin ja eine Lehrerin“, begründet die Boznerin ihre Motivation für dieses Ehrenamt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1020417_image" /></div> <BR />„Es gab mal eine Zeit, da hatte ich plötzlich 5 Ämter gleichzeitig um die Ohren“, erzählt die 67-Jährige schmunzelnd, „und musste deshalb schauen, was ich davon wieder loswerden konnte.“ Neben ihrem Amt bei der Stiftung Bozner Schlösser war sie auch noch federführend aktiv beim Therapiezentrum Hands, bei der Kofler-Stiftung, beim Museum Gherdëina und bei den SVP-Frauen in Bozen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64391320_listbox" /><BR /><BR />Die verschiedenen Ämter waren einerseits zufälligen Begebenheiten und familiären Konstellationen geschuldet, andererseits auch ihrem tatkräftigen Einsatz als Volksanwältin von 2004 bis 2014. Ihr war es gelungen, die vielen Bürgermeister im Land und diverse Behörden von der Notwendigkeit dieser Institution zu überzeugen. „Die Volksanwaltschaft sollte als Verbündeter und nicht als Konkurrent wahrgenommen werden, dieser Bewusstseinswandel erforderte viel Überzeugungsarbeit“, blickt sie zurück. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1020420_image" /></div> <h3> Erinnerungen an Vater Friedl Volgger</h3>Burgi Volgger stammt aus einer Familie, in der am Mittagstisch über das politische Geschehen im Lande debattiert wurde. Ihr Vater, der 1997 gestorbene Friedl Volgger, gehörte zu den entschlossensten Widerstandskämpfern während des 2. Weltkrieges, wurde von den Nazis verhaftet und bis zur Befreiung durch die Alliierten für ein Jahr im KZ Dachau interniert. <BR /><BR />„Die traumatischen Erlebnisse hatten sich derart tief in seine Seele eingegraben, dass er nie in der Lage war, darüber zu sprechen“, sagt Tochter Burgi heute und räumt ein, dass sie selbst erst seit kurzer Zeit darüber zu reden imstande ist. Zu tief hatte sich der Schmerz eingebrannt. In den Nachkriegsjahren habe Friedl Volgger in mehreren politischen Funktionen (unter anderem als SVP-Delegierter, Abgeordneter und Senator) wesentlichen Anteil gehabt, „die Kluft zwischen Dableibern und Optanten zu schließen“.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1020423_image" /></div> <BR />Zusammen mit Giancarlo Bertagnolli und weiteren Gleichgesinnten gründete er im Jahr 1978 den Verein La Strada – der Weg, um Drogensüchtige und Ausgegrenzte aufzufangen. „Als ich dann den Vorsitz des Vereins übernommen habe, tat sich mir eine vollkommen neue Welt auf, denn ich war ja in einem gut behüteten Elternhaus aufgewachsen“, blickt Burgi Volgger auf eine wichtige Station ihres Lebens zurück. <BR /><BR />Fortan machte sie sich stets für Randgruppen und Hilfebedürftige stark – noch immer ist sie im Verwaltungsrat des Therapiezentrums Hands engagiert – den Vorsitz hat sie mittlerweile an ihren Mann Georg Senoner abgegeben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1020426_image" /></div> <h3> Mehr Zeit für die Großfamilie</h3>„Mittlerweile habe ich mehr Zeit für Unternehmungen mit meinem Mann und für Feste im Rahmen der Großfamilie“, sagt die 2-fache Mutter. So fahren sie für einen Opernbesuch schon öfters mal nach Venedig oder Mailand. Gerne werkelt sie überdies in ihrem Garten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1020429_image" /></div> <BR />Und im zunehmenden Maße besucht sie ihre 98-jährige Tante Martha im Vinzenzheim: „Sie ist mein großes Vorbild, weil sie immer auf ihre Unabhängigkeit gepocht und viel von der Welt gesehen hat.“ Aber ganz generell genießt es die vielbeschäftigte Boznerin heute, mehr Zeit für die Freundschaftspflege und die Mitmenschen zu haben. Es ist auf jeden Fall gut investierte Zeit. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64391074_listbox" />