<b>von Micaela Taroni</b><BR /><BR />Seit 65 Jahren arbeitet sie in der „Bar Centrale“ des 1500-Seelen-Dorfes Nebbiuno, die sie am 1. Mai 1958 mit ihrem Mann Renato eröffnet hatte. <BR /><BR /><BR />Als sie mit 49 Jahren Witwe wurde, beschloss die Mutter zweier Kinder, die Bar allein weiterzuführen. Täglich von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, im Sommer sogar bis 21 Uhr, serviert Anna Possi ihren Kunden Espresso, Cappuccino, Cola, oder ein Glas Wein. Zu ihrem 99. Geburtstag hat sie vom Handelsverband Confcommercio eine Auszeichnung erhalten. Der Verband bemüht sich nun darum, dass Staatspräsident Sergio Mattarella ihr den Titel „Ritter der Arbeit“ verleiht, einen Ehrentitel für Personen, die sich im Beruf besonders ausgezeichnet haben. <BR /><BR /><BR />„Wir sind an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Ich schließe an keinem einzigen Tag, nicht einmal an Weihnachten oder Neujahr“, erzählt Anna, die am 16. November 100 Jahre alt wird und die älteste Bürgerin ihrer Gemeinde ist. „Für mich ist es wichtig, dass mein Lokal offen bleibt. Denn meine Bar ist ein Treffpunkt: Wer hierher kommt, weiß, dass er ein warmes Getränk, ein freundliches Wort, einen Ratschlag, oder auch nur eine Toilette finden kann“, meint Possi, die unweit ihrer Tochter Cristina und ihrer beiden Enkeltöchter Erika und Aurora lebt. <BR /><h3> 1946 hat sie ihren ersten Espresso serviert</h3><BR />Die Arbeit ist für sie eine Freude, keine Last. „Das Dorf ist klein, es gibt nicht viel Verkehr. Im Sommer kommen einige Urlauber. Auch wenn ich nicht so viele Kunden habe, bin ich zufrieden: Meine Gäste sind meine Familie, ich habe für jeden genug Zeit, um zu plaudern und ihnen zuzuhören“, sagt die „Barista“, die den Zweiten Weltkrieg erlebt hat und seit ihrem 18. Lebensjahr in der Gastronomie tätig ist. Anna Possi stammt aus Vezzo, einem Bergdorf unweit des Lago Maggiore. Ihre Familie betrieb ein Gasthaus und besaß Land und Tiere. Ihr Onkel hatte ein Restaurant in der Stadt Novara. Hier hat Anna 1946 ihren ersten Espresso serviert. Daran erinnert sie sich noch genau. <BR /><BR /><BR />Eigentlich wollten sie und ihr Mann Renato ein Restaurant eröffnen, entschieden sich jedoch dann für eine kleine Bar. „Denn eine Bar zu betreiben, ist unkomplizierter: Man braucht weniger Personal und der Aufwand ist geringer“, erzählt die gut gekleidete und trotz des hohen Alters noch gesunde Frau. „Ich brauche zwar am Telefon ein Hörgerät, ansonsten bin ich fit. Das verdanke ich der Tatsache, dass ich nicht viel esse und ein sehr geregeltes Leben führe. Ich halte mich streng an meinen Tagesablauf, stehe morgens um 6 Uhr auf und esse immer zur selben Zeit“, erzählt Anna. <BR /><BR /><BR />mit<BR />