Klar, denn während Sie Zähne putzen oder Teller waschen, sind Ihre Gedanken höchstwahrscheinlich ganz woanders. Neuromentaltrainerin Doris Ebner erklärt den Weg zu mehr Achtsamkeit.<BR /><BR />„Carpe diem!“ Der römische Dichter Horaz brachte diese Aufforderung einst zu Papier, im Barock wurde sie gewissermaßen zum Leitmotiv und für Anhänger des Buddhismus ist sie seit jeher eine Grundlage ihres Daseins. Übersetzungen für den lateinischen Satz gibt es viele.<BR /><BR /> „Pflücke den Tag“, „Lebe den Moment“, „Genieße den Augenblick“. Und wie es aussieht, führt daran auf der Suche nach dem Geheimnis eines glücklichen Lebens kein Weg vorbei. Zurecht, denn eine achtsame Haltung bringt Wissenschaftlern zufolge nicht nur mehr Lebensqualität, sondern reduziert Stress, erhöht Fokus und Effizienz, verbessert den Schlaf und kann sich sogar positiv auf die Gesundheit auswirken.<BR /><BR />Doch was ist es, das dieses „Leben im Moment“ ausmacht? Befinden wir uns nicht alle automatisch im Hier und Jetzt? Solange Zeitmaschinen eine Fiktion sind, haben wir schließlich keine andere Wahl. Eine logische Schlussfolgerung – wenngleich mit einem kleinen, aber bedeutenden Denkfehler. <BR /><BR />Während die Argumentation für die physische Komponente nämlich sehr wohl zutrifft, geht unser Kopf in den meisten Fällen andere Wege. Dort reisen wir in einem fort in die Vergangenheit und in die Zukunft, grübeln, überlegen und interpretieren rund um die Uhr und generieren Emotionen, die mit dem, was in der Realität passiert, nicht zwingend in Verbindung stehen. Tatsächlich im Moment zu leben, bedeutet daher, auch unsere Gedanken dorthin zu bringen, wo sich unser Körper gerade befindet.<h3> Autopilot aus, Achtsamkeit an</h3>Unsere bewusste Konzentration liegt dabei auf dem, was wir in und um uns herum wahrnehmen – sensorische Reize aus der Außenwelt ebenso wie die Gefühle, die als Reaktion darauf in unserem Inneren entstehen. <BR /><BR />Wichtig ist jedoch: Bewertungen werden außen vorgelassen. Es gibt kein Gut oder Schlecht, kein Schön oder Hässlich, kein Positiv oder Negativ. Der gegenwärtige Augenblick wird so angenommen, wie er ist, während der Autopilot pausieren darf. <BR /><BR />Warum? Weil gerade letzterer uns oft daran hindert, Details zu registrieren. Winzige Kleinigkeiten, die keineswegs unbedeutend sind und bei genauerer Hinsicht vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen.<BR /><BR /> Dann erkennen wir vielleicht auch, dass nicht jedes Hindernis dazu da ist, uns aus der Bahn zu werfen, und dass unser Gehirn manchmal übereilte Schlüsse zieht. Oder wir stellen einfach fest, dass wir nicht erst das Gewitter vorbeiziehen lassen müssen, um den Regenbogen in all seinen Farben bewundern zu können. <BR /><BR />Manchmal genügt dafür ein Blick auf die knisternden Schaumblasen im Spülbecken.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63752080_listbox" />