Dienstag, 17. Juli 2018

„Wagen wir Zärtlichkeit“ – 5 Jahre König Philippe in Belgien

Schüchternheit kann eine Stärke sein. Zurückhaltung auch. Das hat König Philippe von Belgien in den vergangenen 5 Jahren gezeigt. Als er am 21. Juli 2013 vereidigt wurde, waren viele Belgier skeptisch. Im Gegensatz zu seinem Vater Albert II. (84) galt Philippe als steif und unbeholfen, alles andere als redegewandt.

König Philippe mit seiner Ehefrau Königin Mathilde und den Kindern.
König Philippe mit seiner Ehefrau Königin Mathilde und den Kindern. - Foto: © shutterstock

Diesen Ruf hat der 58-Jährige zwar bis heute nicht abgeschüttelt. Doch das Volk hat ihn akzeptiert, wie die belgische Adelsexpertin Brigitte Balfoort sagt. „Die vergangenen 5 Jahre verliefen reibungslos“, meint sie. Mehr noch: Die ungeahnten politischen Herausforderungen für Belgien in den vergangenen Jahren hat Philippe souverän gemeistert.

Die Terrorattacke in Brüssel im März 2016 verurteilte er in einer Ansprache an die Nation als widerlich und rief dazu auf, den Terror „mit Entschlossenheit, Ruhe und Würde“ zu beantworten. In Belgien ist es ausgesprochen selten, dass sich der König nach aktuellen Ereignissen direkt an die Bevölkerung wendet. Ein Jahr später beeindruckte er viele bei der offiziellen Gedenkfeier für die Terroropfer, als er sagte: „Wagen wir Zärtlichkeit.“ Philippe fand den richtigen Ton. Seine viel kritisierte Zurückhaltung nahmen nun viele als Sanftheit oder Bedachtsamkeit wahr.

Präsent mit Zurückhaltung 

„Philippe ist präsent, mit seiner üblichen Zurückhaltung, aber zugleich einer augenfälligen Sensibilität in jeder seiner Gesten“, formulierte es die Journalistin Sophie Lagesse Anfang Juli im „Soir Mag“, dem wöchentlichen Magazin der belgischen Tageszeitung „Le Soir“. Mit 200 bis 300 offiziellen Terminen pro Jahr im sozialen Bereich sei er allgegenwärtig. Die Bilanz seiner bisherigen Regentschaft sei „mehr als positiv“. 

In gleichen Anteilen auf Niederländisch und Französisch sprechen 

Diese sprachliche und kulturelle Zerrissenheit ist für den König die vielleicht größte Herausforderung – und aus Sicht der Adelsexpertin Balfoort auch ein Grund für Philippes mangelnde Redegewandtheit. „Er muss seine Worte genau abwägen, immer zu gleichen Anteilen auf Niederländisch und Französisch sprechen. Er muss darauf achten, dass er in keiner der beiden Sprachen ein Wort mehr als in der anderen sagt.“ Schließlich komme dem König die Aufgabe zu, das Land zu einen.

Philippe ist der siebte König der Belgier, hat Politik studiert, ist Kampfpilot und Langstreckenläufer. 1999 heiratete er die damalige Gräfin Mathilde (45), eine standesgemäße Hochzeit im europäischen Hochadel. Die ausgesprochen leutselige Mathilde wirkt öffentlich wie die charmante bessere Hälfte des oft steifen Philippe. Doch beide seien sehr ernst, sagt Balfoort. „Sie hassen es, wenn die Leute über sie tratschen. Doch das Volk will auch schöne Kleider und Glamour sehen – das gelingt dem niederländischen Königspaar deutlich besser.“ Die beiden seien nicht besonders zugänglich, schreibt Lagesse.

Bodenständiges Paar

Als Paar geben sich Philippe und Mathilde bodenständig, bringen etwa ihre 4 Kinder bisweilen selbst zur Schule. Thronfolgerin ist die 16-jährige Elisabeth. Die Jugend des Königs sei einst nicht so rosig gewesen, meint Balfoort. „Er ist nicht in einer warmen Familie aufgewachsen. Man darf nie vergessen, dass die Kinder sich quasi selbst aufgezogen haben.“ Sie spricht damit die bewegte Vergangenheit von Philippes Eltern Albert und Paola an, denen beiden außereheliche Affären nachgesagt wurden.

dpa

stol