Während eines Blitzbesuchs im Rahmen der Bozner Freizeitmesse erklärt er, wie es dazu kam und wovon das außergewöhnliche Paar nun träumt.<BR /><BR />Verschiedenste Gewürzmischungen und Aromen steigen in die Nase, wenn man in diesen Tagen durch den Außenbereich der Bozner Freizeitmesse schlendert. Mehr als 10 mobile Imbissstände, in der coolen Umgangssprache längst auch hierzulande als Foodtrucks bekannt, locken mit der üppigen Vielfalt der Straßenküche – die bunte Palette reicht von Fisch bis hin zu hippen Veggie-Häppchen, von klassischen Burgern bis hin zu Süßem und Frittiertem. Gar einige dieser Gastro-Nomaden sind von weither nach Bozen gekommen, allein schon die fantasievolle Aufmachung so mancher Trucks versprüht Exotik. Somit überrascht es nicht, wenn man in diesem bunten Reigen auf so manche Besonderheit trifft. <BR /><BR />Mit einer speziellen Geschichte aufhorchen lässt dabei der ansprechend herausgeputzte Imbisswagen „Mud & Ginni’s“. Es handelt sich um den Foodtruck, der vom Außerpenser Bauernsohn Günther Hochkofler und seiner thailändischen Frau Mud betrieben wird – zugleich ist es ein wahrgewordener kulinarischer Traum, der völlig unterschiedliche Welten auf ganz natürliche Art verschmelzt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1022466_image" /></div> <BR /><BR />„Seit knapp einem Jahr sind wir mit unserem Foodtruck nun unterwegs, in 2 weiteren Jahren ziehen wir Bilanz und dann werden wir schon sehen, wie wir weitermachen“, umreißt Günther Hochkofler die aktuelle Lage des außergewöhnlichen kulinarischen Projektes. 35.000 Kilometer hat der schwarze Imbisswagen auf dem Tacho, er wurde schon zu unterschiedlichsten Anlässen in allen Landesteilen gebucht. Im Rahmen der Freizeitmesse haben Günther Hochkofler und seine Frau Mud alle Hände voll zu tun, schließlich gilt es auf den Ansturm der hungrigen Besucher gefasst zu sein. Ausnahmsweise machen sich auch die Söhne Aphisith (20) und Felix (bald 14) nützlich. Besonders gefragt sind die Frühlingsrollen, eine Spezialität des Hauses, aber auch andere Thai-Gerichte. <BR /><BR /><b>Beharrlich und konsequent am Traum gearbeitet</b><BR /><BR />„Es hat schon mehrere Jahre gedauert, diesen lange gehegten Traum meiner Frau Mud zu verwirklichen, umso schöner, dass es funktioniert hat“, sagt Günther Hochkofler, während Mud, mit bürgerlichem Namen Pakkhinee Boonmalert, im Inneren des Foodtrucks werkelt. <BR />Alles nahm bereits im Jahr 2007 seinen Anfang, als Mud zu ihrem Günther nach Außerpens zog und dort auf unerschrockene Art und Weise mit ihren Kochkünsten aufhorchen ließ. Zunächst wurden Freunde und Bekannte mit authentischen südostasiatischen Köstlichkeiten verwöhnt, es folgten einige Thai-Wochen in der Hofschenke Urbankeller in Außerpens. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, und so reifte bei Mud der Wunsch nach so einem Imbisswagen“, blickt der Sarner Bauernbua, der am heutigen 27. April seinen 54. Geburtstag feiert, zurück. Woher aber bekommt man denn überhaupt so einen Foodtruck, einen erschwinglichen noch dazu?<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1022469_image" /></div> <BR /><BR />Günther Hochkofler erzählt: „Unser Wagen war vor einigen Jahren schon mal hier an der Messe im Einsatz, allerdings sah er damals noch anders aus und gehörte einer Italienerin vom Gardasee. Sie hatte das typische gemischte Frittierte angeboten. Als Mud und ich später auf der Suche nach einem Foodtruck waren, entdeckten wir genau diesen Wagen auf einer Verkaufsplattform, wir waren begeistert und haben zugeschlagen.“ Im Innenbereich habe man nichts ändern müssen, außen bekam der Wagen ein neues Styling verpasst. <BR /><BR />Die erste Bewährungsprobe gab es im Zuge der Sarner Wirtschaftsschau im Sommer 2022, der Besucheransturm sei kaum zu bewältigen gewesen. Günther Hochkofler ist noch heute dankbar, dass er dieses kulinarische Projekt dort hat präsentieren dürfen. Bei jener Gelegenheit war auch der Anhänger mit dem Pizzaofen im Einsatz. Daraufhin haben sich weitere Türen aufgetan, Mud und er haben die Möglichkeiten ihrer Idee erkannt. <BR /><BR />Für Günther Hochkofler ist der Foodtruck sehr wohl eine Herzensangelegenheit, allerdings arbeitet er in Vollzeit beim Südtiroler Waffelfabrikanten Loacker. So erledigt er organisatorische und bürokratische Dinge, während Mud (40) die treibende Kraft hinter dem Projekt ist: Sie fertigt Tag für Tag per Hand Hunderte Frühlingsrollen an, sie kümmert sich um die Waren, bestellt wöchentlich sogar exotische Gewürze aus ihrer Heimat, sie hat die Abläufe in der Küche im Auge und immer wieder neue Impulse parat. Dafür greift sie gerne auf Ideen aus ihrer Jugendzeit in Thailand zurück, oder erkundigt sich bei ihrer Mutter, die in einem Vorort von Bangkok selbst einen Imbiss betreibt. Es ist schon lange her, dass sie Günther Hochkofler während eines Urlaubs in ihrem Heimatland kennen- und lieben lernte. <BR /><BR /><b>Schnell an die Umstände angepasst</b><BR /><BR />Man schrieb damals das Jahr 2005, für 2 Jahre hielten sie den Kontakt aufrecht, ehe sie sich für ein gemeinsames Leben im hintersten Teil des Sarntals neben Günther Hochkoflers Heimathof entschlossen. „Sie ist herübergekommen, wir haben gleich geheiratet und sie hat sich erstaunlich schnell an die neue Lebenswirklichkeit angepasst“, sagt er. Sie habe sich auch gleich mit seiner Mutter, den vielen Geschwistern und den Freundkreis gut verstanden. Nicht mal die Sprache war ein Problem, denn Mud besuchte einen Sprachkurs und hat mittlerweile sogar einigen Brocken Dialekt im Repertoire. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1022472_image" /></div> <BR /><BR />Dabei begannen die ersten Verständigungen zwischen ihr und Günther mithilfe eines Wörterbuches „Deutsch-Thailändisch“. Erstaunlich, was der Wille und speziell die Liebe alles zu bewirken vermögen. Einzig die rauen klimatischen Verhältnisse haben der Neo-Sarnerin etwas zu schaffen gemacht. Es folgte der gemeinsame Sohn Felix, der in wenigen Tagen seinen 14. Geburtstag feiern darf, heuer die Mittelschule abschließt und sich bereits in die Hotelfachschule „Savoy“ eingeschrieben hat. Wann immer es die Zeit zulässt, macht er sich im Foodtruck nützlich. Er sieht seine Zukunft in der Gastronomie, genauso wie sein älterer Halbbruder Aphisith, der bereits ausgelernter Koch ist und in einem feinen Hotel im Passeiertal arbeitet. Doch auch Günther Hochkofler selbst hatte schon immer eine Vorliebe für gutes Essen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1022475_image" /></div> <BR />Bereits als Kind liebte er es, die typische Blechpizza zu bestücken, irgendwann im Erwachsenenleben nutzte er die Gelegenheit zum Besuch eines Pizzabäckerkurses in Meran. Somit ist er nun der Pizzaiolo des Food-trucks, wobei der Pizzaofen im Anhänger nur bei ausgewählten Gelegenheiten mitgeführt wird. Der Sarner schwört auf seine Zubereitung des Teiges, der 3 Tage ruhen darf und nur wenig Hefe braucht. So liege er danach nicht auf dem Magen. Und dann ist da noch ein sehr spezielles Hobby des Sarners, es spricht für seine Weltoffenheit und Neugier: Fruit Art. Dabei handelt es sich um künstlerisches Gestalten von Früchten, mit viel Liebe zum Detail werden Ornamente oder Schriftzüge in das Obst geschnitzt, mitunter kommen sogar kleine Skulpturen zum Vorschein. Günther Hochkoflers Lieblingsfrucht sind große Wassermelonen, seine essbare Kunst kann sich allemal sehen lassen. <BR /><b><BR />Pizzabäcker und Fruit-Art-Künstler</b><BR /><BR />„Ich habe mir die einzelnen Schritte selbst beigebracht, irgendwann habe ich von meiner Frau und meiner Mutter ein Set mit Dutzenden Schnittmessern geschenkt bekommen“, erzählt er. Und so gibt es bei speziellen Anlässen wie Hochzeiten oder Firmenfeiern so manchen Augenschmaus zu bestaunen. Mitunter kommen Freunde auch in den Genuss eines solchen speziellen Geburtstagsgeschenkes.<BR />So dreht sich daheim in Außerpens bei den Hochkoflers natürlich sehr vieles um das Essen, Rezepte und Verbesserungen. Im heurigen Sommer ist der Food-truck bis auf wenige Wochenenden ausgebucht, es sei aufregend, sich an immer wieder neuen Schauplätzen zeigen zu dürfen. „Mal ist man auf einem Fest, dann auf einer Firmenfeier und am Wochenende darauf auf einer Hochzeit - gerade das macht den Reiz eines Imbisswagens aus“, sagt Günther. <BR /><BR />Wenn es gut läuft, dann könnten irgendwann auch die beiden Kinder einsteigen, womöglich kann dann die gesamte Familie von der originellen Straßenküche leben. „Dann wäre toll, im Winter für ein paar Wochen die Arbeit ruhen zu lassen und zusammen die etwas abgelegeneren Gebiete Thailands zu erkunden“, blickt Günther voraus. Noch aber sei dieser Gedanke verfrüht, vorerst gelte es den Sarner Foodtruck über die Südtiroler Passstraßen zu manövrieren und die Thai-Gerichte unter die Südtiroler zu bringen– durchaus ein Abenteuer für sich.<BR /><BR /><BR /><BR />