Donnerstag, 25. Mai 2017

Philippinen: Terror auf Insel Mindanao

Die Stadt Marawi auf der Insel Mindanao, die zweitgrößte Insel der Philippinen, zählt mehr als 200.000 Einwohner und wird seit Tagen von islamistischen Rebellen terrorisiert.

Die philippinische Insel Mindanao wird seit Tagen von islamistischen Rebellen terrorisiert.
Die philippinische Insel Mindanao wird seit Tagen von islamistischen Rebellen terrorisiert. - Foto: © APA/AFP

Der Präsident des Inselstaates, Rodrigo Duterte, hat deshalb sogar das Kriegsrecht ausgerufen.
Tausende sind auf der Flucht. 

Es sind Bilder, wie man sie aus anderen Krisengebieten kennt, wo Islamisten das Sagen haben. Aber nicht von den Philippinen, Asiens einzigem Land mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung. Vize-Gouverneur Mamintal Adiong spricht von einem „Massen-Exodus“.

Rebellen enthaupten Polizeichef

Für die Panik gibt es durchaus Grund. In Marawi spielen sich schlimme Szenen ab. Etwa 100 bewaffnete Rebellen brannten Häuser nieder, darunter zwei Schulen und eine Kirche. Dort nahmen sie den Pfarrer und mehrere Kirchgänger als Geiseln. Der örtliche Polizeichef wurde enthauptet. Dann zogen die Islamisten mit Fahnen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) durch die Straßen. Wie die aktuelle Lage ist, lässt sich nur vermuten.

Auslöser: IS-Terrorist sollte festgenommen werden

Auslöser der Krise war der Versuch von Regierungstruppen, ein prominentes Mitglied der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf festzunehmen: Isnilon Hapilon, einen der meistgesuchten Terroristen der Welt, der sich in Marawi versteckt halten soll. Der Name des 51-Jährigen steht auch auf der Fahndungsliste des FBI. Auf seine Ergreifung sind bis zu fünf Millionen US-Dollar (4,47 Mio. Euro) Belohnung ausgesetzt.

Doch der Versuch schlug fehl. Die Rebellen riefen Verstärkung herbei. Bei Feuergefechten mit Regierungstruppen gab es seit Dienstag mehr als 20 Tote. Am Donnerstag warf die Luftwaffe über der Stadt auch Bomben ab. Duterte drohte den Aufständischen damit, ihren Vormarsch mit äußerster Härte niederschlagen zu lassen. „Wenn das den Tod von vielen Leuten bedeuten sollte, dann sei es so.“ Er begründete dies auch mit dem Kampf gegen den IS, dessen Fußspuren „überall“ seien.

Kriegsrecht vorerst 60 Tage in Kraft

Das Kriegsrecht auf Mindanao, einer Insel mit mehr als 20 Millionen Bewohnern, ist nun zunächst einmal 60 Tage in Kraft, bis in den Juli. Der 72-jährige Präsident – selbst von Mindanao – deutete aber bereits an, dass es auf ein Jahr verlängert werden könnte. Zudem drohte Duterte damit, das Kriegsrecht auf das gesamte Land auszuweiten.
Dass Duterte das Kriegsrecht verhängen darf, stellt auf den Philippinen niemand infrage. Allerdings gibt es Zweifel an der Begründung ,zumal das Militär behauptete, die Lage unter Kontrolle zu haben.

Militär: „Hier gibt es keinen IS“

„Wir haben keinen IS auf den Philippinen“, sagte Militärsprecher Edgard Arevalo. Und der Sprecher der nationalen Polizei, Dionardo Carlos, verwies darauf, dass es sich bei den Rebellen in Marawi lediglich um eine „lokale Terrorgruppe“ handle. „Es gibt hier keinen IS. Sie werden vom IS nicht einmal anerkannt.“ Duterte hatte dagegen am Dienstagabend bei seinem Moskau-Besuch Russland um moderne Waffen gebeten, weil sein Land nicht für den Kampf gegen den IS gerüstet sei.

apa/dpa

stol