Freitag, 05. Oktober 2018

Prags: Burger Hof als Aushängeschild

2014 hat Frau Berta Schweitzer den Burgerhof in Prags/ St. Veit der EOS Sozialgenossenschaft geschenkt. Seitdem ist viel passiert. In zwei Jahren Bauzeit wurde die Straße zum Hof neu trassiert, die Trinkwasserquelle neu gefasst und das gesamte Wohnhaus saniert und erweitert. Am Freitag ist der Tag gekommen, wo das Ende der Umbauarbeiten am Wohnhaus mit einer Eröffnung und mit der Segnung des Hofes durch Pfarrer Josef Gschnitzer gefeiert wurde.

Die Grundschüler von Prags bei ihrer Darbietung auf Burg
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Die Grundschüler von Prags bei ihrer Darbietung auf Burg

Der Hof auf knapp 1.500m Seehöhe, zu dem sich früher selten jemand verirrt hat, hat sich in ein wahres Juwel verwandelt. Hier verbindet sich harmonisch die Schönheit alter Bautradition mit den Annehmlichkeiten der Moderne. Zu verdanken ist diese gelungene Umgestaltung vor allem dem Leiter der Umbauarbeiten der EOS Sozialgenossenschaft, Peter Summerer, dem Projektanten Christoph Stoll und dem Baumeister Lois Ebner, die gemeinsam viel Herzblut in das Projekt gesteckt haben.

Ermöglicht wurde die Verwandlung durch die großzügige Unterstützung des Amtes für Jugendarbeit der Autonomen Provinz Bozen mit dem Direktor Klaus Nothdurfter, durch einen Beitrag der Stiftung Südtiroler Sparkasse für die Küche des Hofes, und nicht zuletzt durch den Weitblick der Politik, vor allem in Person von Philipp Achammer.

Verantwortliche zufrieden

Die Verantwortlichen der EOS zeigten sich sehr zufrieden und dankbar für den Einsatz aller Beteiligten – und für die Geduld der Pragser Bevölkerung „…die während der Bauzeit einige Unannehmlichkeiten ertragen musste…“, räumt der Präsident der EOS, Heiner Nicolussi- Leck in seinen Grußworten lächelnd ein, und dankt den Pragsern, der Gemeindeverwaltung und der Fraktion für ihre Unterstützung. Dass die Gemeinde stolz auf dieses neu entstandene Aushängeschild in ihrem Dorf ist, schwingt in den Worten des Bürgermeisters Friedrich Mittermair mit. „Wir freuen uns, dass das Haus eine neue Zweckbestimmung gefunden hat und wünschen allen Beteiligten, dass sie mit viel Freude und Begeisterung die Jugend begleiten werden.“

Philipp Achammer hat der Hof bereits bei seiner ersten Besichtigung 2016 verzaubert, obwohl die Anfahrt im Panda über die alte Zufahrtsstraße damals mehr als abenteuerlich war, wie er den Anwesenden heute erzählte. Die Freude über das Ergebnis der Umbauarbeiten stand ihm beim Festakt förmlich ins Gesicht geschrieben. Er dankte bei der Eröffnungsfeier den Initiatoren dieses Projekts, das er als eines der schönsten seiner Amtszeit bezeichnet. Sein besonderer Dank galt den Vertretern des Schulverbunds Pustertal für ihr Engagement und ihre Begeisterung.

Möglichkeit erkannt

„Wie Kinder in einem Haufen Erde oder in einem Stein schon ein Schloss erkennen können, so hat die Steuergruppe von Beginn an die Möglichkeit erkannt, hier eine neue Art von Schule zu schaffen“, meint die Landesrätin Waltraud Deeg in ihren Grußworten. Sie dankt allen, die diese Vision vorangetrieben haben und die es ermöglicht haben, dass das Haus sich jetzt mit Leben füllt.

 Doch wer glaubt, dass die Arbeit auf Burg  abgeschlossen ist, der hat weit gefehlt. Im Gegenteil. „Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es durch Gemeinschaft entsteht“, bemerkt Alex Unteregger, der zuständige Pädagoge und Landwirt am Hof, „Die Steuerungsgruppe rund um die EOS Sozialgenossenschaft und den Schulverbund Pustertal hat lediglich ein Grobkonzept entworfen. Es wurden verschiedene Formate für Projekte am Hof entwickelt. Doch dieses Grobkonzept wird erst durch die gemeinsame Arbeit der Schüler, der Lehrergemeinschaft und externer Fachleute mit Inhalten gefüllt. Die Schüler führen hier keine sinnentfremdeten Tätigkeiten durch, sondern arbeiten in Realprojekten direkt am Aufbau des Hofes mit.“  „Hier fungiert das Leben als Lehrmeister, die pädagogischen Inhalte ergeben sich aus der täglichen Arbeit automatisch“, erklären Josef Watschinger und Josef Kühebacher, der Leiter und der Koordinator des Schulverbund Pustertal. „Die Lehrer üben sich als Begleiter in Zurückhaltung und lassen die Dinge entstehen.“

Funktionierendes Konzept

Dass das Konzept funktioniert, davon sind die Verantwortlichen schon kurz nach dem Start der ersten Projekte für Grund-, Mittel- und Oberschüler überzeugt. „Die Schüler gehen nach dieser Projektwoche verändert nach Hause“, weiß Toni Holzer, Lehrer an der Hotelfachschule in Bruneck, der heute eine Themenwoche mit seinen Schülern am Hof abschließt. „Es sind diese einzigartige Atmosphäre außerhalb der Schule, die gemeinsamen Mahlzeiten und die stille Einigkeit, wenn jeder Schüler tagsüber seinen Aufgaben nachgeht. Die Schüler empfinden die Freude nach getaner Arbeit, und dürfen hier ganz besondere Erfolgserlebnisse feiern. Nicht nur die Praxis im Kochen oder der Sprachenunterricht können als Inhalte unserer Projektwoche an diesem externen Lernort besser vermittelt werden. Der wohl größte Erfolg ist das Zusammenwachsen der Klassengemeinschaft, das wir hier erleben dürfen.“ Heute haben seine Schüler eine ganz besondere Aufgabe: Sie unterstützen die Köchin des Hauses bei der Verpflegung der Gäste und helfen in der Küche und im Service tatkräftig mit.

Burg ist ein Ort der ermöglicht, der beruhigt und erdet. Das spürt man sogar heute, obwohl rund ums Haus geschäftiges Treiben herrscht. Der Hof erfreut sich bereits jetzt großer Beliebtheit bei Schülern und Lehrern. Künftig sollen neben den Schulprojekten verschiedene soziale Projekte am Hof verwirklicht werden, nach dem Wohnhaus steht außerdem die Sanierung des Wirtschaftsgebäudes und der zum Hof gehörigen Mühle an.

Am Freitag wurde jedoch erst einmal innegehalten, gefeiert und den vielen fleißigen Helfern gedankt, die dazu beigetragen haben, aus Burg einen so besonderen Ort zu machen. 

EOS Sozialgenossenschaft, Bruneck

stol