Mittwoch, 17. Juni 2015

Renzi drängt auf Verteilung von 40.000 Flüchtlingen

Premier Matteo Renzi hat am Dienstag die Verteilung von 30.000 bis 40.000 Flüchtlingen aus Italien in andere EU-Staaten gefordert. Bisher hatte sich die EU-Kommission für die Verteilung von 24.000 Flüchtlingen aus Italien ausgesprochen. Diese Zahl sei laut Renzi jedoch unzulänglich.

Matteo Renzi
Matteo Renzi - Foto: © LaPresse

„In Italien zählt man zurzeit 80.000 Asylsuchende, wenn 40.000 von ihnen auf andere EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden, wäre dies ein weiser Beschluss“, sagte Renzi nach Medienangaben vom Dienstag.

„Ein Flüchtlingslager unter freiem Himmel“

Renzis Regierung gerät wegen des Flüchtlingschaos immer mehr intern unter Druck. „Italien ist zu einem Flüchtlingslager unter freiem Himmel geworden. Österreich, die Schweiz und Frankreich riegeln ihre Grenzen ab und schicken uns die illegalen Migranten zurück. Sie verteidigen dabei ihre Grenzen und die Sicherheit ihrer Bürger und pfeifen auf europäische Regeln und Verträge. Warum geschieht bei uns nicht dasselbe?“, fragte Roberto Calderoli, Spitzenpolitiker der ausländerfeindlichen Oppositionspartei Lega Nord.

Unter Zwang nach Ventimiglia zurückgekarrt

Nach der Zurückweisung Hunderter Flüchtlinge an der französisch-italienischen Grenze bleibt die Lage in der ligurischen Grenzstadt Ventimiglia angespannt: Die italienische Polizei vertrieb am Dienstag Dutzende Migranten, die seit Tagen auf den rauen Felsen an der Küste ausharrten.

Die Flüchtlinge, die meist aus dem Sudan und aus Eritrea stammen, mussten in einen Bus des Roten Kreuzes einsteigen und wurden zum Bahnhof Ventimiglias gebracht, wie italienische Medien berichteten.

Wer Widerstand leistete, wurde unter Zwang in den Bus gezerrt. Einige Migranten ergriffen vor den Sicherheitskräften die Flucht. Zwei Flüchtlinge wurden festgenommen, zwei Ordnungshüter wurden verletzt.

apa

stol