Dienstag, 20. März 2018

Rotes Kreuz beginnt mit Hilfsgüterverteilung nahe Afrin

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat am Dienstag mit der Verteilung von Hilfsgütern an die zehntausenden Flüchtlinge begonnen, die durch die türkische Militäroffensive aus der Region Afrin vertrieben wurden. Die IKRK-Sprecherin für Syrien, Ingy Sedky, sagte, gemeinsam mit dem Syrischen Roten Halbmond würden Brot, Decken und Wasserflaschen verteilt.

Verzweiflung bei den Geflohenen. - Foto: APA (AFP)
Verzweiflung bei den Geflohenen. - Foto: APA (AFP)

Rund 75.000 Flüchtlinge aus Afrin haben nach UN-Angaben in der weiter östlich gelegenen Stadt Tal Rifaat Zuflucht gefunden, die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der syrischen Armee kontrolliert wird. Laut der UNO wurden die 16 Schulen der Stadt in Notaufnahmezentren umgewandelt.

Die UNO gibt die Gesamtzahl der Flüchtlinge aus Afrin mit rund 100.000 an, doch spricht die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte von 250.000. Für Medien sind die Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle kaum zu überprüfen. Rund 20.000 haben nach UN-Angaben Zuflucht in den Ortschaften Nebol und Zahra gefunden, die unter Kontrolle der syrischen Regierungstruppen stehen.

Die türkische Armee hatte am Sonntag nach zweimonatigen Kämpfen die Stadt Afrin eingenommen, nachdem sich die YPG-Miliz kampflos zurückgezogen hatte. Die Türkei betrachtet die Gruppe wegen ihrer engen Verbindungen zur PKK-Guerilla als Bedrohung und will sie von der türkischen Grenze vertreiben.

Laut dem IKRK wurden 2700 Matratzen, 12.000 Decken und Erste-Hilfe-Ausrüstung verteilt. „Es ist ein Tropfen im Ozean angesichts des Bedarfs der Familien”, gab das IKRK zu. Dessen Präsident Peter Maurer hatte zuvor besseren Zugang zu den Vertriebenen gefordert und dem Türkischen Roten Halbmond Voreingenommenheit vorgeworfen.

Ein türkischer Außenamtssprecher wies den Vorwurf der mangelnden Neutralität gegenüber den Kurden vehement zurück. Der Türkische Rote Halbmond leiste weltweit Hilfe unabhängig von Sprache, Religion, Nationalität und Geografie, sagte der Sprecher. Die Hilfsorganisation sei von der UNO für ihre Arbeit im Syrien-Konflikt vielfach gelobt worden.

apa/ag.

stol