Samstag, 26. September 2015

Schlinigtal: Zollfreie Zone!?

Die Ausstellung Zollfreie Zone!? auf der Alten Pforzheimer Hütte im Schlinigtal setzt Zeichen. Fern von Alpenländischer Schmuggler-Nostalgie ermöglicht sie ein Nachdenken über den Schmuggel von vorgestern, gestern und heute.

Die alte Pforzheimer Hütte. Foto: Armin Joos.
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Die alte Pforzheimer Hütte. Foto: Armin Joos.

Ein Playmobil-Ensemble mit etlichen Menschen an Bord. Eine Spielzeug-Schildkröte und ein Plüsch-Leopard. Ein nachgestellter Kassenzettel des eigens für den Tabakschmuggel ins Leben gerufenen Schweizer Unternehmens namens Export II. Tontöpfe, die an geraubtes und illegal verkauftes Kulturgut denken lassen.

Ein Verweis auf Schmugglerinnen einer österreichischen Gemeinde, die bereits während des Ersten Weltkrieges Waren nicht am, sondern im Körper über die Grenzen schafften.

Jede Menge Sicht- und Nachlesbares, das auf alpenländische Schmuggler-Nostalgie und ihre touristische Ausschlachtung deutet: Vom Schmuggler-Pfad über die Schmuggler-Pizza zum volkstümlichen Schmuggler-Lied samt seiner Verklärung des mutigen Volkshelden. Und eine eigens für die Ausstellung komponierte „Pinggl-Polka“, die den Charakter der Ausstellung perfekt widerspiegelt.

Schmuggler als Volkshelden?

Die Themenbereiche, die sich die Kuratorinnen Marion Veith und Katharina Hohenstein für die Ausstellung aussuchten, greifen die Verklärung des Schmugglers als Volkshelden, den heutigen illegalen Menschen,- Tier- und Warentransfer, die Rolle der Frauen, sowie den Schmuggel über den Schlinig-Pass in den Hochzeiten zwischen dem zweiten Weltkrieg und Anfang der 70er Jahre auf. Dabei werden die Themen in dem rund 30 Quadratmeter großen Raum der Alten Pforzheimer Hütte lediglich angerissen.

Das war beabsichtigt, erklärt die Gestalterin der Ausstellung, Marion Veith: „Die Ausstellung ist ein Anreiz, sich mit der Thematik - länderübergreifend und die Gegenwart miteingeschlossen - zu beschäftigen“. Organisiert hatte die Gemeinde Mals, gemeinsam mit der „Förderverein CUNFIN zur kulturellen und wissenschaftlichen Nutzung der Alten Pforzheimer Hütte“ und der AVS Sesvennahütte die hoch-gelegenen Ausstellung.

Neben der Autonomen Provinz Bozen ist es dem Schweizer-Italienischen Interreg IV Projekt Vetta / “Über die Grenzen gehen“ zu verdanken, dass die Ausstellung Zollfreie Zone!? konkretisiert werden konnte.

Hütte als Ort der Kunst

Für die Organisatoren war die Ausstellung gelungener Auftakt einer zukünftigen Nutzung der Alten Pforzheimer Hütte als Ort der Kunst, der Kultur und der Wissenschaften. 

Architekt Jürgen Wallnöfer, Mitglied des Fördervereines CUNFIN, der die Hütte weitere acht Jahre gepachtet hat, zeigte sich für die bauliche Sanierung der 1901 vom Malser Baumeister Lorenz Wallnöfer geplanten Hütte verantwortlich und verdeutlichte den Sinn der Veranstaltung: „Ein sanierter Raum muss mit Leben gefüllt werden“.

Zahlreiche Gäste aus der Schweiz, Italien und Deutschland, etliche Talbewohner sowie zwei Enkel des Baumeisters waren zur Eröffnung gekommen. Auch Sepp Saurer, auf dessen Initiative die Alte Pforzheimer Hütte unter Denkmalschutz gestellt werden konnte, zählte zu den Interessierten.

„Ohne die Hilfe von Seiten des Teams der Sesvennahütte wäre die in kurzer Zeit verwirklichte Ausstellung jedoch keineswegs so reibungslos verlaufen. Denn es ist eine logistische Herausforderung auf 2.256 Metern ü.A. eine Ausstellung zu organisieren“, erklärte Marion Veith.

Interessierte Besucher können sich bei der Sesvennahütte den Schlüssel für die Ausstellung holen: bis 25. Oktober bleibt sie in diesem Jahr geöffnet und wird im nächsten Frühjahr weitergeführt.

stol