Montag, 04. Dezember 2017

Schwere Kämpfe im Jemen

Bei schweren Kämpfen im Jemen haben die schiitischen Houthi-Rebellen nach eigenen Angaben Geländegewinne gegen ihre früheren Verbündeten erzielt. Ein Houthi-Sprecher erklärte am Montag, seine Truppen hätten im Süden der Hauptstadt Sanaa Positionen von Anhängern des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh eingenommen.

Sanaa wurde zum Ziel zahlreicher Luftangriffe. - Foto: APA (AFP)
Sanaa wurde zum Ziel zahlreicher Luftangriffe. - Foto: APA (AFP)

Jemenitische Medien und Aktivisten berichteten von Straßenkämpfen. Die von den Houthis kontrollierte Nachrichtenagentur Saba und Augenzeugen meldeten, Jets der von Saudi-Arabien geführten Koalition hätten zahlreiche Luftangriffe gegen die Rebellen geflogen. Wie Bewohner der Stadt und eine Quelle am internationalen Flughafen von Sanaa berichteten, wurden bei den Angriffen offenbar Ziele in der Nähe des Airports und des Innenministeriums attackiert.

Bewohner berichteten überdies, dass sich die Kämpfe zwischen den früher verbündeten Anhängern von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh und den schiitischen Houthi-Rebellen auf Gebiete außerhalb von Sanaa ausgeweitet hätten. Stammesangehörige in Salehs Heimatstadt Sanhan südlich der Hauptstadt berichteten von heftigen Gefechten in der Nacht auf Montag.

Saleh und Houthi-Chef Abdul Malik al-Houthi waren jahrzehntelang verfeindet gewesen, bis sie sich nach Salehs Abtritt Ende 2011 gegen den sunnitischen Präsidenten Abd Rabbu Mansour Hadi verbündeten. Zuletzt hatte das Bündnis jedoch Risse bekommen, was Ängste vor einer neuen Front in dem Konflikt schürte. Bis Sonntag wurden allein bei Kämpfen in Sanaa rund 60 Menschen getötet. Am Samstag erklärte sich Saleh zu Gesprächen mit Saudi-Arabien bereit, welches Hadi unterstützt. Beobachter sehen darin eine mögliche Wende in dem Bürgerkrieg. Die Houthi-Rebellen reagierten freilich erbost.

Das von Saudi-Arabien geführte Bündnis unterstützt im Jemen die Regierungstruppen des aktuellen Präsidenten Abd Rabbu Mansour Hadi. Jets der Koalition fliegen seit Frühjahr 2015 Angriffe gegen die Houthis und ihre Verbündeten.

Angesichts der neuerlichen Eskalation der Gewalt forderte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres ein Ende aller Luft- und Bodenangriffe. Die schweren Kämpfe verhinderten die Versorgung von Verletzten und Kranken, teilte Guterres am Sonntagabend in New York über seinen Sprecher mit. Außerdem fesselten sie die Bevölkerung ohne Lebensmittel und Treibstoff an ihr Zuhause. Ohne die Wiederaufnahme lebenswichtiger Importe drohe Millionen Menschen im Jemen Hunger, Krankheit und Tod, warnte Guterres.

Präsident Hadi bot jenen, die ihre Kollaboration mit den vom Iran unterstützten Houthis aufgeben und sich zurückziehen, Amnestie an, wie Ministerpräsident Ahmed Obeid bin Daghr (Dagher) am Montag in der von der Regierung kontrollierten Hafenstadt Aden bekannt gab. Mit der Ankündigung sollen die Houthis ganz offensichtlich weiter geschwächt werden.

apa/dpa/ag.

stol