Sonntag, 22. November 2015

Stromversorgung unterbrochen – Notstand auf der Krim

Nach Anschlägen auf Starkstromleitungen in der Ukraine ist es auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu einem völligen „Blackout“ gekommen. Fast zwei Millionen Menschen waren zunächst ohne Licht und Heizung, wie die örtlichen Behörden am Sonntag mitteilten. Der Notstand wurde ausgerufen. Die Führung der Krim setzte einen Krisenstab ein.

Auch weit mehr als ein Jahr nach der Annexion der Krim durch Russland, kommt es auf der Halbinsel immer wieder zu Zwischenfällen. Am Sonntag kam es zu, durch Anschläge verursachte, weitreichende Stromausfälle.
Auch weit mehr als ein Jahr nach der Annexion der Krim durch Russland, kommt es auf der Halbinsel immer wieder zu Zwischenfällen. Am Sonntag kam es zu, durch Anschläge verursachte, weitreichende Stromausfälle. - Foto: © LaPresse

Mit eigenen Kraftwerken sowie mit Gasturbinen und Dieselgeneratoren sei die Versorgung zumindest in größeren Städten teilweise wieder hergestellt worden, sagte Sprecher Michail Scheremet der Agentur Tass zufolge.

Die Halbinsel könne jedoch bestenfalls die Hälfte ihres Strombedarfs selbst decken. Seit einer umstrittenen Volksabstimmung 2014 sieht sich die Krim als Teil Russlands, völkerrechtlich gehört sie jedoch weiter zur Ukraine, woher auch weiterhin rund 70 Prozent ihres Stromes kommen.

Krim bereits seit zwei Monaten blockiert

Seit mehr als zwei Monaten blockieren Krimtataren und ukrainische Aktivisten Warentransporte auf die Halbinsel und fordern von der Führung in Kiew das Kappen der Stromversorgung. Damit soll die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker erreicht werden. Russische Medien gaben am Sonntag ukrainischen Nationalisten die Schuld, für die Zerstörung der Strommasten.

Die Hochspannungsleitungen im Raum Cherson waren bereits beschädigt. Beim Versuch ukrainischer Sicherheitskräfte, Reparaturtrupps am Samstag Zugang zu den Masten zu verschaffen, hatten sich Nationalisten vom sogenannten Rechten Sektor ukrainischen Medienberichten zufolge Auseinandersetzungen mit paramilitärischer Polizei bei den Strommasten geliefert.

Brennstoffvoräte sollen für mehrere Wochen reichen

„Die Situation ist stabil und unter Kontrolle“, sagte Behördensprecher Scheremet auf der Krim. Der Strom würde aber vermutlich immer wieder für einige Stunden abgeschaltet. Bei Außentemperatur von plus 18 Grad Celsius in der Schwarzmeerregion bestehe keine große Gefahr durch abgeschaltete Heizungen. Die Brennstoffvorräte würden für mehrere Wochen reichen, hieß es.

Der ukrainische Energiekonzern Ukrenergo erklärte, zwei Strommasten seien in der Nacht auf Freitag offenbar mit Sprengsätzen oder durch Beschuss gefällt worden. Die Wiederherstellung der Versorgung könnte zwei Tage dauern.

In den südukrainischen Gebieten Cherson und Mykolajiw seien 40 Prozent der Versorgung gefährdet, teilte das Energieministerium in Kiew mit. In zwei Kreisen sei der Strom ausgefallen.

apa/dpa/afp/reuters

stol