Freitag, 24. März 2017

Südtirol-Urlaub von Raggi wird zum Politikum

Ein Skiurlaub von Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi in Südtirol wird in der Ewigen Stadt zum Politikum.

Ihr Südtirol-Urlaub hat ihr massig Kritik eingebracht: Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi.
Ihr Südtirol-Urlaub hat ihr massig Kritik eingebracht: Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi. - Foto: © LaPresse

Die 38-jährige Stadtchefin, die vor drei Wochen wegen eines Schwächeanfalls ins Krankenhaus eingeliefert worden war, gönnt sich diese Woche Urlaub auf der Seiseralm, während sich Rom auf die Feierlichkeiten für das 60. Jubiläum der Unterzeichnung der Römischen Verträge vorbereitet.

„Ich habe den Rat meines Arztes befolgt, der mir nach sieben Monaten ununterbrochener Arbeit einige Ruhetage verschrieben hat“, schrieb Raggi, Politikerin des europakritischen Movimento Cinque Stelle um den Starkomiker Beppe Grillo, auf Facebook.

„Rom ist im Chaos und Raggi fährt in die Berge“

Mit ihrem einwöchigen Urlaub mit ihrem Sohn zog sich die seit Juni in Rom amtierende Politikerin heftige Kritik zu. Oppositionsparteien behaupten, Raggi hätte die Stadt vor den Feierlichkeiten für das 60. Jubiläum der Unterzeichnung der Römischen Verträge in Rom im Stich gelassen.

Dazu werden 27 Staats-und Regierungschefs, darunter auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sowie Zehntausende Demonstranten erwartet.

„Nachdem sie in all diesen Monaten Amtszeit nichts zusammengebracht hat, fährt Raggi in die Berge. Rom ist im Chaos. Ein Bürgermeister, der seine Stadt liebt, ist in wichtigen Momenten anwesend“, kritisierte das römische Stadtratsmitglied des oppositionellen Partito Democratico (PD) Orlando Corsetti.

Zahlreiche wichtige Termine verpasst

Wegen ihres Urlaubs versäumte Raggi wichtige Termine, unter anderem die Gedenkzeremonie zum 73. Jahrestag des Massakers der Ardeatinischen Höhlen am Donnerstag. Damals hatten Nationalsozialisten 335 Zivilisten hingerichtet und in einem Massengrab verscharrt.

Das Massaker galt als Vergeltung für das Partisanenattentat in der Via Rasella in Rom vom 23. März 1944. An der Gedenkzeremonie in Rom beteiligten sich Staatspräsident Sergio Mattarella und Verteidigungsministerin Roberta Pinotti.

„Zum ersten Mal war Roms Bürgermeister nicht bei der Gedenkzeremonie anwesend. Raggis Abwesenheit ist ein Affront für die Opfer dieses Massakers und ihrer Angehörigen sowie für die ganze Stadt“, kommentierte die Oppositionspolitikerin Marta Bonafoni.

PD-Politiker beschuldigten Raggi, mit revolutionären Slogans die Stadtregierung erobert zu haben und sich jetzt dem „bürgerlichen Ritual“ des Skiurlaubs zu beugen. Indiskretionen zufolge will Raggi bis Samstag in Südtirol bleiben. Während ihrer Abwesenheit ließ sie sich von Vizebürgermeister Luca Bergamo vertreten.

apa

stol