Samstag, 27. Oktober 2018

Trump-Fanatiker verschickt Briefbomben - offene Fragen

Das Bild scheint komplett zu sein: Ein Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump übertreibt seinen Fanatismus und schickt Briefbomben an führende Vertreter und Sympathisanten der verhassten Opposition. Cesar Sayoc, ein 56 Jahre alter Polizeibekannter, verhält sich verblüffend naiv, macht dem FBI die Arbeit leicht, indem er auf den versandten Briefumschlägen seine Fingerabdrücke hinterlässt. Dennoch bleiben bei dem Fall, der die USA über Tage in helle Aufregung versetze, viele Fragen offen.

Ein Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump übertreibt seinen Fanatismus und schickt Briefbomben an führende Vertreter und Sympathisanten.
Ein Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump übertreibt seinen Fanatismus und schickt Briefbomben an führende Vertreter und Sympathisanten. - Foto: © APA/AFP

Die Ermittler werden nur einige davon klären. Etwa die, was eigentlich genau in den Paketen war. Nach bisher vorliegenden Informationen waren es etwa 15 Zentimeter lange PVC-Rohre, gefüllt mit Pulver und bestückt mit Zündern, die auf Hitze oder Stöße reagieren sollen. Als sicher gilt, dass zumindest einige der Bomben so gebaut waren, dass sie nicht hätten funktionieren können. Dilettantismus eines Kriminellen? Oder vielleicht sogar eine bewusste Finte?

Wer profitiert von der Bomben-Debatte

Wenig mehr als eine Woche vor den weichenstellenden Kongresswahlen in den USA rückt auch die Frage in den Vordergrund: Wer profitiert eigentlich von der Bomben-Debatte? „Die Debatte bedeutet jede Menge politisches Futter für beide Seiten“, schreibt die in Washington gut informierte Nachrichtenseite „The Hill“. In jedem Fall hätten Trumps Republikaner jedoch die Chance eingebüßt, in einer wichtigen Wahlkampfphase andere Themen zu setzen. Trump-Getreue beteuern, ihr Präsident sei das eigentliche Opfer der Rohrbomben.

Der US-Präsident hat am Freitagabend (Ortszeit) noch einmal klargestellt, dass er nichts an seiner Rhetorik ändern will. Trump erklärte vor Journalisten, er selbst trage keine Mitschuld – Kritiker hatten unterstellt, seine aufstachelnde Rhetorik leiste möglicherweise Fanatikern wie dem Festgenommenen Cesar Sayoc Vorschub. Auf die Frage, ob er etwas an seiner Rhetorik ändern wolle, sagte er, er habe seinen Ton bereits abgemildert.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung wenig später attackierte Trump die Medien und die oppositionellen Demokraten erneut scharf. Zuvor hatte er die Briefbomben verächtlich als „Bomben-Zeugs“ tituliert und indirekt unterstellt, es handele sich um eine gewollte Debatte.

Clinton warf Präsidenten indirekt Mitschuld vor

Trumps frühere Konkurrentin Hillary Clinton, einer der Adressaten der Briefe, warf dem Präsidenten indirekt eine Mitschuld vor. „Wir leben in einer Zeit, in der die Atmosphäre unberechenbar und hasserfüllt ist, und wir haben einen Präsidenten, der die ganze Zeit rücksichtlose Rhetorik praktiziert, die alle möglichen Leute erniedrigen und dämonisieren soll“, sagte Clinton am Freitagabend (Ortszeit) bei einer Veranstaltung im New Yorker Kulturzentrum 92Y. „Er peitscht die Zuschauer auf, die zu ihm kommen, und es ist fast wie eine Sucht: Er treibt sie an und sie geben ihm das zurück, was er anscheinend braucht, um sich stark und wichtig zu fühlen“, sagte sie.

Die Serie von Briefbomben hatte die USA seit Mittwoch in Atem gehalten. Insgesamt stellten die Ermittler bislang 14 Päckchen sicher. Sie waren unter anderem an den früheren Präsidenten Barack Obama, Ex-Außenministerin Hillary Clinton sowie weitere Demokraten adressiert. Die Päckchen konnten allesamt gefunden werden, bevor sie ihre Ziele erreichten. Verletzt wurde niemand.

dpa

stol