Sonntag, 20. September 2015

Ungarischer Bürgermeister stellt Video gegen Flüchtlinge ins Netz

"Ich bin der Bürgermeister von Asottaholm, einer Stadt an der ungarisch-serbischen Grenze." Mit diesen harmlosen Worten beginnt ein absurdes Propagandavideo, das der ungarische Bürgermeister Laszlo Toroczkai vor Kurzem auf YouTube veröffentlicht hat. Der Zweck: Flüchtlinge davon abschrecken die Grenze zu überqueren.

Mit drohenden Worten und martialischen Posen will Bürgermeister Toroczkai in seinem Propagandavideo Flüchtlinge von seiner Stadt fernhalten (Foto: Screenshot YouTube Video).
Mit drohenden Worten und martialischen Posen will Bürgermeister Toroczkai in seinem Propagandavideo Flüchtlinge von seiner Stadt fernhalten (Foto: Screenshot YouTube Video).

Im Video präsentiert Toroczkai seine persönliche, eigens aufgestellte Bürgerwehr, die - neben Polizei und Militär - dazu beitragen soll illegale Flüchtlinge vom Grenzübertritt abzuhalten.

Die Bürgerwehr stellt sich in traumweltlerischem Pathos vor: Polizeiwagen und Motorräder heizen mit beachtlicher Geschwindigkeit über Feldwege, ein Hubschrauber überfliegt Getreidefelder, Männer schießen auf Autotüren, überwachen die Gegend mit Ferngläsern oder reiten hoch zu Ross - das alles untermalt von epischen Klängen. Man kommt sich vor wie in einem schlechten 80er-Jahre Actionfilm.

Obwohl es so albern, lächerlich, absurd - wie eine Parodie - wirkt, scheinen Toroczkai und seine Mannen das alles sehr ernst zu nehmen. "Es ist ein Verbrechen, die Grenze zu überqueren. Wer sich nicht daran hält, kann mit aller Härte, mit Gefängnis und jahrelangem Ausschluss aus Ungarn, bestraft werden", droht der Bürgermeister in dem Video.

"Ungarn ist eine schlechte Wahl. Asottaholm die schlechteste."

Er gibt sogar Ratschläge zur "effizienteren" Flucht nach Deutschland: "Der kürzeste Weg nach Deutschland führt über Kroatien und Slowenien, traut den Schleppern nicht." Nicht erwähnt wird dabei, dass auf dem Weg durch Ungarn keine hohen Berge überwunden werden müssen.

Am Ende des Videos steht er vor einer Wand, das Wappen Ungarns im Hintergrund und spricht mit bedrohlicher Stimme: "Ungarn ist eine schlechte Wahl. Asottaholm die schlechteste."

Die Kritik, dass es sich doch nur um das Machwerk eines geistig umnachteten, von Allmachtsfantasien getriebenen Spinners handelt, mag an diesem Punkt angebracht sein, wird aber durch die ungeheure Ressonanz auf das Video (es wurde über eine Million mal angeklickt) und die äußerst positiven Anmerkungen von ungarischen Usern, bald relativiert. 

Der Kurzfilm und vor allem die Reaktionen darauf verdeutlicht einmal mehr, welchen Einfluss der rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orban auf das Stimmungsbild in Ungarn hat. Offensichtlich fremdenfeindliche Menschen scheuen sich nicht mehr davor an die Öffentlichkeit zu treten, die Bevölkerung aufzuhetzen. 

Noch feuern Ungarns Grenzkräfte nur mit Tränengas und Wasserwerfern. Es bleibt zu hoffen, dass der fremdenfeindliche Grundtenor in Ungarn nicht dazu führt, dass scharf geschossen wird - auf Menschen die vor Krieg und Not flüchten; an der Grenze zur, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten, Europäischen Union.

stol/bfk

stol