Freitag, 19. Oktober 2018

US-Präsident Trump geht von Tod Khashoggis aus

US-Präsident Donald Trump hält den regimekritischen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi für tot. „Es sieht ganz danach aus”, antwortete Trump am Donnerstag auf eine entsprechende Frage von Journalisten. „Es ist sehr traurig.” Vermutlich träfen Geheimdienstinformationen zu, wonach hochrangige Saudis in den mutmaßlichen Mord verwickelt seien.

Trump äußerte sich pessimistisch zum Fall Khashoggi. - Foto: APA (AFP)
Trump äußerte sich pessimistisch zum Fall Khashoggi. - Foto: APA (AFP)

Noch sei es aber zu früh, um abschließende Schlussfolgerungen zu ziehen, wer der Drahtzieher sei, so Trump. Sollte sich herausstellen, dass Saudi-Arabien hinter der Tat stecke, müssten die Konsequenzen sehr hart sein. In US-Regierungskreisen hieß es, die amerikanischen Geheimdienste seien zunehmend überzeugt, dass Kronprinz Mohammed bin Salman die Verantwortung für das Vorgehen gegen Khashoggi trage.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte nach seiner Rückkehr von Gesprächen in Saudi-Arabien und der Türkei, er habe Trump empfohlen, der Regierung in Riad noch ein paar Tage für ihre Untersuchungen im Fall Khashoggi zu geben. Dann könnten die USA entscheiden, ob und wie sie reagierten. Er erinnerte daran, dass die USA seit 1932 eine lange, strategische Beziehung zu dem Königreich unterhielten. Dieses sei auch ein wichtiger Partner im Kampf gegen den Terror. Trump sagte, er warte auf die Ergebnisse der Untersuchungen in Saudi-Arabien, „um der Sache rasch auf den Grund zu gehen”. Dann werde er eine Erklärung abgeben.

Aus türkischen Sicherheitskreisen verlautete, die Ermittler hätten die Fahrtrouten von Wagen überprüft, die am Tag des Verschwindens von Khashoggi das saudische Konsulat in Istanbul und die Residenz des Konsuls verlassen hätten. Die Mörder könnten die Leiche des Journalisten danach im Belgrad-Wald nahe Istanbul oder nahe dem Ort Yalova, 90 Kilometer südlich der Stadt, versteckt haben. Möglicherweise seien die sterblichen Überreste in einem Bauernhaus oder einer Villa verborgen.

Die Türkei wirft Saudi-Arabien vor, Khashoggi im Konsulat des Landes in Istanbul getötet zu haben. Saudi-Arabien weist die Vorwürfe zurück. Trump hatte das saudische Könighaus zunächst in Schutz genommen. Es gelte die Unschuldsvermutung, hatte er am Mittwoch gesagt. Der Sender CNN Turk zitierte den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit den Worten, die Türkei habe niemandem Audioaufnahmen zur Verfügung gestellt. Zuvor hatte es in Medienberichten geheißen, Ankara habe einen Mitschnitt der Tötung des Journalisten im Konsulat an die USA übergeben.

Für Saudi-Arabien könnte das Verschwinden des Journalisten ernsthafte Folgen haben. Immer mehr Größen aus Wirtschaft und Politik sagen ihre Teilnahme an einer Investorenkonferenz kommende Woche in Riad ab, darunter US-Finanzminister Steven Mnuchin. Auch die US-Großbank Goldman Sachs erklärte am Donnerstag, keinen Vertreter dort hin schicken zu wollen. Der Medienkonzern Fox Business Network zog sich als Sponsor der Veranstaltung zurück.

Anhänger und Verbündete von US-Präsident Trump kratzen unterdessen an dem liberalen Image Khashoggis und weisen auf Verbindungen des verschwundenen saudischen Journalisten zu Islamisten hin. Abgeordnete der Republikaner hätten in den vergangenen Tagen rechte Medienberichte über Khashoggis Nähe zur islamistischen Muslimbruderschaft sowie über seine Berichterstattung über den 2011 getöteten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ausgetauscht, berichtete die „Washington Post” am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf Parteikreise. Die Kritik an dem Journalisten solle Trumps Versuche stützen, ein gutes Verhältnis zu den Saudis aufrecht zu erhalten.

”Khashoggi hatte Verbindungen zur Muslimbruderschaft”, sagte Fox-News-Nachrichtensprecherin Harris Faulkner demnach in einer Sendung am Donnerstag. Einem örtlichen Radiosender sagte der republikanische Senatskandidat für den US-Staat Virginia, Corey Stewart, laut dem Blatt: „Khashoggi war selbst kein guter Kerl.” Trumps Sohn Donald Jr. hatte erst vor einer Woche einen Tweet weiterverbreitet, in dem ein Journalist Khashoggi vorwirft, sich mit Bin Laden „in Afghanistan herumgetrieben” zu haben. „Er ist nur ein demokratischer Reformjournalist, der ein Rollenspiel mit Jihadisten spielt.”

apa/ag.

stol