Montag, 23. Mai 2016

Van der Bellen wird österreichischer Bundespräsident

Um 16.42 Uhr war die Sache gegessen. Das Innenministerium gab bekannt, dass Alexander Van der Bellen neuer Bundespräsident wird. Der langjährige Grünen-Chef setzte sich in einer dramatischen Stichwahl um gut 31.000 Stimmen gegen seinen freiheitlichen Kontrahenten Norbert Hofer durch.

Foto: © APA/AFP

Das neue Staatsoberhaupt konnte letztlich 50,3 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 72,7 Prozent auf sich vereinen. Damit drehte der 72-Jährige sowohl das Ergebnis vom ersten Durchgang, als Hofer noch fast 14 Prozentpunkte Vorsprung hatte, als auch jenes vom Wahlsonntag, als der Dritte Nationalratspräsident ebenfalls noch recht deutlich voran gelegen war.

Die Briefwähler brachten die Wende

Doch die Briefwähler – fast 750.000 – wirbelten das Ergebnis noch einmal ganz ordentlich durcheinander. Nicht nur gesamt rutschte Hofer zurück, auch die Bundesländer Tirol und Oberösterreich gingen letztlich an Van der Bellen, der sonst noch mit großem Vorsprung Wien und Vorarlberg für sich entschied, was aber schon am Wahlabend festgestanden war. Auch sämtliche Landeshauptstädte wählten den Grünen.

FPÖ denkt über Anfechtung nach

Hofer zeigte sich in einem Facebook-Statement traurig, so knapp verloren zu haben. Ob die Wahl angefochten wird, ließen die Freiheitlichen offen. Gäbe es „Missstände mit Fleisch am Knochen“, lasse man sich diese Option offen, erklärte Generalsekretär Herbert Kickl. Am Dienstag berät dazu der FPÖ-Vorstand.

Fischer hält große Stücke auf VdB

Für Bundespräsident Heinz Fischer hat der knappe Wahlausgang bewiesen, dass es wirklich auf jede Stimme ankomme. Als wichtigste Aufgabe für seinen Nachfolger sieht er, „gravierende Unstimmigkeiten zuzuschütten“, was er Van der Bellen zutraut. Der wird bereits morgen, Dienstag, von seinem künftigen Vorgänger in der Präsidentschaftskanzler empfangen; für Mittwoch dann hat Fischer Hofer eingeladen.

Die ersten Reaktionen aus dem Ausland fielen ebenfalls positiv aus. Der italienische Außenminister Paolo Gentiloni meinte, es gehe ein „Seufzer der Erleichterung“ durch ganz Europa. Erleichtert zeigte sich auch die deutsche SPD. 

Glückwünsche aus Südtirol

Glückwünsche aus Südtirol ließ Landeshauptmann Arno Kompatscher am Montagnachmittag in einer Pressemitteilung überbringen. Er freue sich über den Wahlerfolg Van der Bellens, denn dieser sei ein überzeugter Europäer. Van der Bellen könne die Zukunft Österreichs mit Weitblick und Umsicht mitbestimmen, ist Kompatscher überzeugt. „Die enge Verbindung zwischen Wien und Bozen möge auch in Zukunft die Basis unserer gemeinsamen Arbeit zum Wohle der Bevölkerung sein.“

apa/stol

stol