Freitag, 25. März 2016

Venedig erinnert an 500 Jahre Ghetto

Venedig erinnert an ein dunkles Kapitel seiner Geschichte: Die Venezianer haben vor 500 Jahren wahrscheinlich als erste Ghettos für Juden eingeführt. „

Wir können es als das erste offizielle Ghetto betrachten“, sagte die Historikerin Donatella Calabi. „Das ist natürlich kein Grund zum Feiern, aber ich betrachte es als seltene Gelegenheit zum Nachdenken und sich Erinnern.“

Am 29. März 1516 erlaubte der Senat der Lagunenstadt, dass Juden sich in Venedig ansiedeln. Bedingung war, dass sie dies auf einer abgelegenen Insel taten, deren Zugänge nachts verschlossen wurden.
Auf der Insel befand sich eine Kupferhütte, genannt „geto“. Daraus entwickelte sich das Wort „Ghetto“, wie Calabi erklärte.

Obwohl Venedigs Juden nicht wie in anderen Teilen Europas brutal verfolgt wurden, seien sie dennoch stark diskriminiert worden. Gleichberechtigung gab es erst, als Venedig 1866 Teil des italienischen Staates wurde.

Calabi kuratiert die Ausstellung „Venedig, die Juden und Europa“, die im Juni öffnet. Geplant sind außerdem etwa die erste Aufführung von Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ im Ghetto und am Dienstag ein Galakonzert im Opernhaus „La Fenice“. Heute leben nur noch wenige Dutzend jüdische Menschen im Ghetto. „Es ist einer der hässlichsten Orte von Venedig, denn es gibt keine hübschen Fassaden“, meinte Shaul Bassi von der jüdischen Gemeinde. Es sei aber ein Ort, der einen in seinen Bann ziehe.

dpa

stol