Jedes Jahr gibt es unzählige Aktionstage, an denen die internationale Gemeinschaft einen Moment innehält, um gemeinsam zu gedenken, zu feiern oder um sich für ein Thema stark zu machen. Die Anlässe für einen solchen Tag sind vielfältig: Der Safer Internet Day soll aufzeigen, welche Kompetenzen für die sichere Nutzung des Internets notwendig sind. Der internationale Tag gegen Homophobie hat uns daran erinnert, wie wichtig es ist, dass wir uns als Gesellschaft für Offenheit und gegen Hass einsetzen. Am 1. Mai haben wir die Arbeit ruhen lassen, einen freien Tag genossen und vielleicht sogar bei einem Konzert oder einer Kundgebung ausgelassen gefeiert.<BR /><BR />Alles andere als einen Grund zum Feiern stellt ein Tag dar, der im Kalender leider immer weiter Richtung Jahresbeginn rückt: Der Erdüberlastungstag fiel auf den vergangenen Sonntag, 15. Mai. Mit diesem Datum hat Italien – und damit auch Südtirol – seine natürlichen Ressourcen für das Jahr 2022 ausgeschöpft und ist damit auf dem imaginären Umweltkonto in die rote Zone gerutscht. Wir haben also bereits zum jetzigen Zeitpunkt mehr Ressourcen verbraucht, als bis zum Jahresende nachwachsen können.<BR /><BR />Ich weiß, wir sind alle müde: Über 2 Jahre Pandemie, dann ein Krieg mitten in Europa – es reicht mit den schlechten Nachrichten und Problemen, das Klima kann jetzt erstmal warten. Leider kann es das nicht. Seit dem 15. Mai leben wir auf Kredit und wie es bei Krediten eben üblich ist, müssen wir diesen auch früher oder später zurückzahlen. <BR /><BR />Der neuste Klimazustandsbericht der Weltwetterorganisation hat gezeigt, dass 4 wichtige Indikatoren für den Klimawandel in diesem Jahr auf nie da gewesene Werte geklettert sind: Rekorde gab es beim Anstieg des Meeresspiegels, dem Wärmeinhalt der Ozeane, der Versauerung der Meere und der Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre. Das unterstreichen die verheerenden Folgen der menschlichen Aktivitäten für die Ökosysteme, die eigentlich unser Überleben sichern sollen. Sogenannte Kipppunkte im Klimasystem rücken immer näher; dann werden Entwicklungen in Gang gesetzt, die auch durch beste Gegenmaßnahmen nicht mehr aufgehalten werden können. Wir müssen also damit anfangen, unseren Kredit zurückzuzahlen.<BR /><BR />Die gute Nachricht ist: Wir können den Erdüberlastungstag wieder nach hinten verschieben. Wissenschaftler werden nicht müde, es uns immer wieder zu sagen: Damit das klappt, müssen wir lernen mit weniger auszukommen und Ressourcen zu sparen. Sich einschränken und verzichten kann schmerzhaft sein, aber schon die Pandemie hat uns gelehrt, dass wir damit Menschenleben retten konnten. Diesmal geht es um unsere Erde – und es liegt an uns sie mit ein bisschen Verzicht zu retten.<BR />