Dienstag, 19. April 2022

20 Jahre arbeiten für die Wohnung

Wer durchschnittlich 2000 Euro netto im Monat verdient und sich eine durchschnittliche, neuwertige 100-Quadratmeter-Wohnung auf dem freien Markt in Brixen kaufen will, muss dafür über 20 Jahre sein komplettes Jahresgehalt hinblättern – und dabei sind die Zinsen für einen Kredit gar nicht mit eingerechnet.

Wer durchschnittlich 2000 Euro netto im Monat verdient und sich eine durchschnittliche, neuwertige 100-Quadratmeter-Wohnung auf dem freien Markt in Brixen kaufen will, muss dafür über 20 Jahre sein komplettes Jahresgehalt hinblättern. - Foto: © Shutterstock

Dieses und noch weitere „Rechenspielchen“ hat der Freiheitliche Andreas Leiter Reber – anhand der Daten der Südtiroler Maklervereinigung und der ASTAT – durchgespielt. Und fordert daher dringend statt kleiner GIS-Reförmchen eine echte Wohnbau-Reform.

Günstiger kommt weg, wer in Latsch nach 100 Quadratmetern sucht. Dort ist eine solche Wohnung laut Leiter Reber bereits für 280.000 Euro zu haben. 290.000 Euro zahlt man dafür im Sarntal. In Ulten kommt man sogar mit 260.000 Euro hin. Wer es aber gerne etwas zentraler und städtischer hat, der muss beispielsweise in Eppan 385.000 Euro hinblättern.

Wer kann sich das in Südtirol noch leisten?

So weit so gut. Doch wer soll sich das in Südtirol leisten können? „Von den 200.000 lohnabhängigen Südtirolern verdienen 18 Prozent zwischen 1100 und 1400 Euro netto, ein Viertel kommt auf ein Monatsgehalt von 1400 bis 1700 Euro. Und nur 3 Prozent verdienen über 3000 Euro“, weiß Leiter Reber.

Andreas Leiter-Reber - Foto: © DLife/LO



„Bei einem Monatsgehalt von 1400 Euro fließt selbst im ,günstigen‘ Latsch 20 Jahre lang der komplette Lohn in eine Wohnung. Gibt man monatlich die Hälfte für Lebenshaltung aus, zahlt man 40 Jahre. Ist man zu zweit, dann sind es für beide wieder ,nur‘ 20 Jahre. Aber passieren darf da nichts“, rechnet Leiter Reber weiter vor – und fordert von der Landesregierung endlich wirksame Maßnahmen.

„Eine umfassende Wohnbaureform mit dem Ziel, den Kauf und die Miete von Wohnraum günstiger zu machen, muss eng mit dem Raumordnungsgesetz abgestimmt sein, die beiden Gesetze müssen ineinandergreifen“, ist er dabei überzeugt. Flickwerk reiche nicht, betont der Freiheitlichen-Obmann.

Instrument „geschickt nutzen“

Ein Mittel, so Leiter Reber, könnte dabei das Zulassen einer größeren Baudichte im bereits besiedelten Gebiet sein. Mit dem neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft sei die Erhöhung der Baudichte innerhalb der Siedlungsgrenzen möglich, so könnte mehr Wohnraum innerhalb der bestehenden Ortszentren und bereits verbauten Viertel entstehen.

Doch dieses Instrument müsse geschickt genutzt werden, um nicht nur mehr Angebot, sondern auch gezielt niedrigere Wohnungspreise zu erreichen, mahnt der Freiheitliche.

ih

Alle Meldungen zu:

Kommentare
Kommentar verfassen
Bitte melden Sie sich an um einen Kommentar zu schreiben
senden
Federfarma Bozen
19. April 2022 05:55
Endlich einer, der es auf den Punkt bringt. Der einzige, der es versteht, dieses enorme Thema mit Köpfchen anzugehen! Der der Realität in die Augen schaut! Kompliment!