Heute genau vor 50 Jahren am 20. Jänner 1972 ist das Zweite Autonomiestatut in Kraft getreten. Der Beginn einer erfolgreichen Autonomiegeschichte, die keineswegs selbstverständlich war und immer noch etwas Besonderes ist. Betrachtet man die Situation von Minderheiten in Europa vor 50 Jahren, so waren viele Konflikte gerade am Höhepunkt der Eskalation. <BR /><BR />Im Herbst 1972 demolierte der Ortstafelsturm sprichwörtlich deutsch-slowenischsprachige Ortschilder in Südkärnten. Dieser Gewalt von deutschnationaler Seite folgten Jahre des Assimilierungsdrucks und ließ die slowenische Minderheit auf wenige Tausende schrumpfen. Erst 40 Jahre danach mit dem spät, aber doch erreichten Ortstafelkompromiss 2011 kam es zu einer Wiedergutmachung, aber der Trend zur Marginalisierung der Slowenen in Kärnten hält an.<BR /><BR />Im Süden Europas nahm Anfang der siebziger Jahre der schwelende Konflikt zwischen Türken und Griechen auf Zypern bürgerkriegsähnliche Ausmaße an. Verhandlungen für eine Selbstverwaltung der türkischen Bevölkerung scheiterten und UN-Truppen mussten die Streitparteien entlang einer neutralen Zone trennen. Im Jahr 2004 trat Zypern zwar der Europäischen Union bei, aber der nördliche Teil der Insel ist weiterhin von der Türkei besetzt. Und viele der damals vor 50 Jahren vertriebenen Familien können nach wie vor auch heute noch nicht zurück in ihre Heimatdörfer.<BR /><BR /><embed id="dtext86-52442203_quote" /><BR /><BR />Blicken wir Richtung Norden, so jährt sich in wenigen Tagen am 30. Jänner der Blutsonntag. Nicht erst mit dem Song der irischen Rockband U2 „Sunday Bloody Sunday“ ist das Ereignis vor 50 Jahren in die europäische Geschichte eingegangen. An diesem Tag schoss die britische Armee auf 26 unbewaffnete Demonstranten, von denen 13 noch an Ort und Stelle starben. Eine offene Wunde, die erst mit dem Karfreitagsabkommen im Jahr 1998 begann, schön langsam zu heilen. Wie wichtig die Rolle der EU bei der Befriedung dieses Konflikts war, sieht man erst jetzt mit der neuerlichen ethnischen Radikalisierung nach dem Brexit.<BR /><BR /><b>Der Südtiroler Weg war nicht selbstverständlich</b><BR /><BR />Das sind nur 3 Beispiele von vielen, die uns verdeutlichen, dass der Südtiroler Weg nicht selbstverständlich war. Umso größer ist der Auftrag, den jeder einzelne in Südtirol lebende Bürger hat, damit unsere Autonomie auch weiterhin allen – egal welcher Sprachgruppe – zugutekommt.<BR /><BR />Geht man nicht nur 50 Jahre zurück, sondern an den Anfang der Südtiroler Autonomiegeschichte, so ist vor allem das Gruber-Degasperi Abkommen aus dem Jahr 1946 die Grundlage der Schutzfunktion Österreichs für Südtirol gegenüber Italien. Dass der Minderheitenschutz und der Ausbau der Autonomie Südtirols immer noch eine Herzenssache für Österreich sind, beweist das aktuelle Regierungsprogramm aus dem Jahr 2020:<BR /><BR />„Es ist die gemeinsame Verantwortung Österreichs und Italiens, die eigenständige Entwicklung zu garantieren und in enger Abstimmung mit den Vertreterinnen und Vertretern der deutsch- und ladinischsprachigen Volksgruppen in Südtirol die Autonomie weiterzuentwickeln.“ <BR /><BR />Wie in der Vergangenheit – ob diplomatisch leise oder international durch politischen Nachdruck, aber immer mit vorbildhafter Verantwortung – wird Österreich auch in Zukunft an der Seite Südtirols stehen und seine Schutzfunktion wahrnehmen und die Autonomie mitgestalten.