Montag, 28. Januar 2019

Afghanischer Präsident ruft Taliban zu Gesprächen auf

In einer landesweit übertragenen TV-Ansprache hat der afghanische Präsident Aschraf Ghani die radikalislamischen Taliban am Montag zu direkten Friedensgesprächen mit seiner Regierung aufgerufen.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani will direkte Friedensgespräche mit den Aufständischen. - Foto: APA (KEYSTONE)
Der afghanische Präsident Aschraf Ghani will direkte Friedensgespräche mit den Aufständischen. - Foto: APA (KEYSTONE)

Zuvor hatten die Aufständischen in Gesprächen mit den USA anscheinend deutliche Annäherungen erzielt. Bisher verhandeln die Taliban ausschließlich mit den USA, die sie als dominierende Schutzmacht der Ghani-Regierung ansehen.

Die Taliban hätten zwei Möglichkeiten, sagte Ghani: Sie könnten entweder mit den Afghanen zusammenstehen oder das Werkzeug fremder Mächte und ihrer Ziele sein. „Gäbe es den Krieg mit den Taliban nicht, wäre das Leben von Millionen Afghanen angenehm”, sagte Ghani. Kein Afghane könne akzeptieren, dass seine Kinder Kanonenfutter würden oder ans Ausland verloren gingen. Gleichzeitig wünsche sich kein Afghane eine länger andauernde Präsenz internationaler Truppen. Aktuell sei diese aber notwendig.

Gesprächsrunde endet positiv

Am Samstag hatte die jüngste - mindestens fünfte - Gesprächsrunde seit Juli 2018 zwischen Vertretern der Taliban und der USA geendet. Darin ging es um einen Abzug der internationalen Truppen, einen Waffenstillstand und um die Frage, wie verhindert werden kann, dass das Land ein sicherer Hafen für Terroristen wird. Beide Seiten sprachen danach von Fortschritten.

Der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan äußerte sich optimistisch über die Gespräche. Die Gespräche seien „ermutigend”, sagte Shanahan am Montag am Rande eines Treffens mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Shanahan verneinte die Frage eines Journalisten, ob er damit beauftragt sei, einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan vorzubereiten.

Vollständiger Abzug der US-Truppen ist möglich

Die Gespräche sollen zudem direkte Gespräche der Taliban mit Kabul in die Wege leiten. Allerdings konnte der US-Delegationsleiter, Zalmay Khalilzad, den Taliban bisher nicht das Zugeständnis abringen, sich mit Kabul an den Verhandlungstisch zu setzen.

Allerdings hätten die USA und die Taliban sich im Grundsatz auf den Rahmen eines Friedensabkommens geeinigt, sagte Khalilzad der „New York Times” (Montag). Darin würden die Aufständischen garantieren, dass Afghanistan nicht von international agierenden Terrorgruppen benutzt werde. Das könnte dazu führen, dass die US-Truppen vollständig abgezogen würden und im Gegenzug die Taliban einem Waffenstillstand und Direktgesprächen mit Kabul zustimmten.

Gespräche beeinflussen Kampfhandlungen nicht

Auf die Kampfhandlungen haben die Gespräche keine Auswirkungen. Die Taliban greifen weiter täglich Kontrollposten oder Militärstützpunkte der Regierung an und töten dabei Dutzende Sicherheitskräfte.

Spezialkräfte der Regierung befreiten in der südöstlichen Provinz Gazni in der Nacht zu Montag 38 Menschen aus einem Gefängnis der Taliban. Bei dem Einsatz seien mindestens neun Taliban getötet und neun weitere verhaftet worden, erklärte die Provinzregierung. Unter den Befreiten hätten sich hochrangige afghanische Offiziere befunden. Ein mit Sprengstoff beladener Wagen, ein Taliban-Lazarett sowie vier Motorräder seien zerstört worden.

apa/dpa

stol