Dienstag, 10. November 2015

BBT gut, Zulaufstrecken gut: Alles gut?

Er ist ein Riesenprojekt, der BBT. Er bringt große Baustellen mit sich. Und es braucht Zulaufstrecken, damit man auch hierzulande etwas damit anfangen kann. Das heiß wiederum: große Bauarbeiten. Und doch ist die Stimmung der Gemeindevertreter zwischen Franzensfeste und Waidbruck alles andere als schlecht. Warum das so ist? STOL hat nachgefragt.

BBT und Zulaufstrecken sollen aufeinander abgestimmt fertiggestellt werden.
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BBT und Zulaufstrecken sollen aufeinander abgestimmt fertiggestellt werden.

 „Natürlich, wer in der Nähe wohnt, der schimpft. Aber ich sage den Leuten immer, in zehn Jahren wird es uns besser gehen, als heute“, sagt Thomas Klapfer, Bürgermeister von Franzensfeste auf Nachfrage von STOL. Er teilt im Großen und Ganzen die Aussagen von Landeshauptmamm Arno Kompatscher beim großen Treffen von Montagabend, der BBT sei ein Gewinn für Wirtschaft, Mobilität und Umwelt (STOL hat berichtet).

Und das obwohl Franzensfeste derzeit im Norden eine Riesenbaustelle bezüglich des Haupttunnels hat und für die Zulaufstrecke im Süden eine neue Baustelle dazu kommt.

Verbesserte Lebensqualität

Und auch Klapfer weiß, dass zehn Jahre eine lange Zeit seien, „aber wir leiden heute sehr unter der Lärm- und Luftverschmutzung“. Vor allem der Güterverkehr macht der Gemeinde zu schaffen. Er sieht die Lebensqualität durch den Tunnel verbessert.

Wichtig war für die Gemeinden entlang der Achse, dass die Zulaufstrecken zeitgleich mit dem Haupttunnel fertiggestellt werden, damit der Schienenverkehr ab 2026 plangerecht laufen kann und es nicht zu einem Nadelöhr kommt. „Dies scheint nun gesichert, so Klapfer.

Unterlagen zu Zulaufstrecken sind da

In dieselbe Kerbe schlägt Brixens Bürgermeister Peter Brunner. Die Zulaufstrecken seien unumgänglich. Vor einigen Tagen haben die Gemeinden auch konkret Unterlagen diesbezüglich erhalten, um sie studieren zu können.

„Was wurden beim BBT nicht schon alles für Horrorszenarien in den Raum gestellt. Doch wir müssen die große Lösung im Auge haben, die für den engen Talkessel enorme Verbesserungen mit sich bringt“, ist Brunner überzeugt.

„Der BBT und die Zulaufstrecken sind ein Fakt, auch wenn viele Leute daran lange nicht glauben wollten“, sagt Klapfer. Daher gelte es, das Beste für die Gemeinde daraus zu machen und mit den Zuständigen am einem Tisch zu verhandeln.

Eine eigene Autobahnzufahrt

In Sachen Bürgeranliegen und Verbesserungen stellen die Bürgermeister dem BBT-Projekt gute Noten aus.

So bekommt Franzensfeste zur Verringerung des Baustellenverkehrs eine eigene Autobahnzufahrt in Oberau, an der gerade gebaut wird. Auch Peter Brunner sagt: „Die Techniker sind darauf bedacht, die kritischen Punkte zu entschärfen.“ So soll etwa der Fensterstollen bei Albeins ganze gestrichen werden und auch für das südliche Portal ein Abtransport des Bauschutts über eine Autobahnanbindung wie ein Franzensfeste geprüft werden.

„Natürlich bringen die Bauarbeiten vorübergehend Einschränkungen für die Bevölkerung mit sich, doch man ist bemüht, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Brixens Bürgermeister.

Umweltgelder fließen nicht umsonst

Und auch das Thema Umweltgelder spielt eine Rolle. „Die bekommen wir, weil eine Belastung da ist. 8 Millionen Euro waren es für den Haupttunnel. Bezüglich der Zulaufstrecken ist das noch genauer zu definieren, da dies in der Bauphase passiert und wir in der Planungsphase sind“, so Klapfer. Doch der Bürgermeister gibt sich zuversichtlich, dass dahingehend Gelder fließen werden.  

„Allerdings wünsche ich mir, dass die Verwendung der Gelder breitmaschiger möglich ist, denn sonst muss alles wiederum in Umweltmaßnahmen fließen“, hat Klapfer Angst, dass die Mittel größer sind, als deren Nutzen.

Auch in Brixen sollen in Sachen Zulaufstrecken Ausgleichsmaßnahmen für die Betroffenen vorgesehen werden, erklärt Brunner.

Neue Dimension der Mobilität

 „Der BBT ist eine unglaubliche Chance für das Eisack- Wipp- und Pustertal“, ist der Franzensfester Bürgermeister überzeugt. Er sieht seine Gemeinde künftig gar als Dreh- und Angelpunkt in Sachen Personenverkehr. „Wünschenswert wären natürlich geeignet viele Stopps in Franzensfeste“, hofft Klapfer.

„Wenn ich von Franzensfeste in einer Stunde in Verona bin, in 1:10 Stunden in München, nach Bozen und Innsbruck 15 Minuten brauche, dann ergeben sich ganz neue Möglichkeiten“, so Klapfer.

stol/ker

stol