Dienstag, 06. Februar 2018

Bozen: CasaPound „In mezzo a questo schifo“

Am Montagabend gegen 22 Uhr fanden sich rund 50 CasaPound-Aktivisten in der Ersten Hilfe des Bozner Krankenhaus ein, um ihren Unmut über die dortigen Zustände anzuprangern. Ihre Hinterlassenschaft: Viel Unruhe und eine Botschaft in 4 Sprachen.

Casapound spielt Sittenwächter. - Foto: CasaPound
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Casapound spielt Sittenwächter. - Foto: CasaPound

Die 50 Aktivisten erschienen alle mit roter Weste, die mit der allseits bekannten weißen Schildkröte bedruckt war, das Symbol der rechtsextremen CasaPound. 

Gekommen waren sie, um die angeblich katastrophalen Zustände in der Bozner Notaufnahme anzuprangern. Sie reagierten mit der Aktion scheinbar auf zahlreiche Anfragen und Beschwerden von Patienten und Klinikpersonal, schreibt CasaPound am Dienstag in einer Aussendung.

Obdachlose sollen weg

Die vorherrschende Situation in der Ersten Hilfe sei unzumutbar, schimpft die rechtsextreme Partei weiter. „C’è gente ubriaca che piscia per terra, c’è gente ubriaca che fuma all’interno delle aree comuni del Pronto Soccorso“, behauptet CasaPound-Gemeinderat Andrea Bonazza. Immer wieder kämen Obdachlose vorbei, um sich ein warmes Plätzchen zu sichern. Diese Zustände gingen auf Kosten derjenigen, die wirklich Hilfe benötigen, so Bonazza weiter.

„Ich erinnere daran, dass es spezielle Einrichtungen für Obdachlose gibt, sie können dort hingehen, ohne die hier so dringend benötigten Betten zu blockieren.“

Pfeile gegen Stocker

Auch Landesrätin Martha Stocker wird von CasaPound angegriffen.

Leider liegt die Gesundheit der Provinz in den Händen von Landesrätin Martha Stocker, die im Auftrag der SVP-Wähler mehr über die Eröffnung neuer Flüchtlingszentren in ganz Südtirol nachdenkt, als über die Gesundheit ihrer Mitbürger", lässt Bonazza in der Aussendung vom Dienstag verlauten. 

„In Mezzo a questo schifo“

Was in der Ersten Hilfe dann am Montagabend geschah? Die Rechtsextremen hinterließen Zettel mit der Botschaft: „Dieser Ort ist ausschließlich Patienten und Kranken sowie Besucher von Patienten und Kranken vorbehalten.“ Der Satz war dort auch in Italienisch, Arabisch und Rumänisch zu lesen und abgedruckt. Sie hinterlegten die Botschaft auf Betten, klebten sie an Türen und Wände. Nach ein paar Minuten war der Spuk auch schon wieder vorbei.

CasaPound ließ es sich dennoch nicht nehmen, ihre „heldenhafte“ Aktion live auf ihrem Facebook-Account zu übertragen. Auch wenn einige Gleichgesinnte die Zettel-Aktion loben und dahinter stehen, CasaPound säht damit ein Klima des Hasses, der Feindseligkeit und des Unfriedens.

Etwas was wir in Zeiten wie diesen nicht brauchen.

stol/vs

stol