Mittwoch, 27. März 2019

„Disastro Capitale“: Krisenherde in Rom

Zum ersten Mal hat Papst Franziskus am Dienstag die römische Stadtregierung besucht. Bei einem freundschaftlichen Treffen sprach der Heilige Vater mit Bürgermeisterin Virginia Raggi über die Probleme der Ewigen Stadt. Den päpstlichen Segen kann die Stadtchefin gut gebrauchen. Denn die italienische Hauptstadt ist mit einer ganzen Reihe von Krisenherden konfrontiert.

Die U-Bahn-Station Republicca in Rom ist schon seit einiger Zeit geschlossen. - Foto: Ansa
Die U-Bahn-Station Republicca in Rom ist schon seit einiger Zeit geschlossen. - Foto: Ansa

Neben einer akuten Müllkrise, die die Bürgermeisterin aus den Reihen der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung belastet, ist die Metropole jetzt auch mit Schwierigkeiten im Nahverkehr konfrontiert.

Auch ein Korruptionsskandal, der vergangene Woche zur Festnahme des Präsidenten des Stadtparlaments geführt hat, drückt die Popularität der 2016 gewählten Raggi schwer. „Disastro Capitale“ (Desaster-Hauptstadt) betitelte die römische Tageszeitung „La Repubblica“ eine am Mittwoch veröffentlichte Reportage über die Missstände in der 3,5 Millionen-Metropole.

Wegen eines schweren Brandes, der am Sonntagabend in einer Abfallanlage im östlichen Teil Roms ausgebrochen ist, musste die Deponie geschlossen werden. Ein Viertel des Mülls der 3,5 Millionen-Metropole wird in dieser Anlage entsorgt. Wie lange diese jetzt geschlossen bleibt, ist noch unklar. Bürgermeisterin Raggi beklagte eine Sabotage. „Dieser Brand ist ein schwerer Schlag für Rom und die Römer“, so Raggi, die die Müllmafia hinter dem Brand vermutet. „Wir werden reagieren und eine Lösung finden. Ich vertraue der Justiz“, sagte die Bürgermeisterin.

Missstände bei der U-Bahn

Auch die Missstände im Nahverkehr drücken die ohnehin schon niedrige Popularität Raggis. Beim Einsturz einer Rolltreppe im Zentrum Roms im Oktober waren 24 Menschen verletzt worden. Seitdem ist die zentrale U-Bahn-Station „Repubblica“ geschlossen. In den vergangenen Tagen wurden wegen Problemen mit den Rolltreppen auch die U-Bahn-Stationen „Spagna“ und „Barberini“ geschlossen, die zentralsten in der Innenstadt. „U-Bahn-Netz im Chaos, Rom verliert seine zentralsten U-Bahn-Stationen“, kommentierte die römische Tageszeitung „Il Messaggero“.

Raggi, die sich Ehrlichkeit und Transparenz auf die Fahnen geschrieben hat, ist auch mit ihrem ersten großen Skandal konfrontiert. Der Präsident des Kommunalrates der italienischen Hauptstadt, Marcello De Vito, ist vergangene Woche festgenommen worden. Der Politiker der Fünf-Sterne-Bewegung soll Bestechungsgelder kassiert und Bauunternehmern im Gegenzug seine Unterstützung für Projekte zugesagt haben. Dabei sollen Schmiergelder in Höhe von 400.000 Euro geflossen sein. Die Ermittlungen kreisen vor allem um Pläne zum Bau eines neuen Fußballstadions in Rom.

Ob der Skandal in Rom Auswirkungen auf die seit Juni in Italien regierende Fünf Sterne-Bewegung haben wird, ist unklar. Die Partei um Vizepremier Luigi Di Maio ist laut jüngsten Umfragen auf Talfahrt. Sie verliert an Stimmen zugunsten des Regierungspartners Lega.

Lega-Chef Matteo Salvini scherzt über die Missstände in Rom. „Raggi kann den Segen des Papstes gut gebrauchen. Rom ist groß und nicht einfach zu verwalten. Die Bürgermeisterin trägt nicht allein die Verantwortung für die schwierige Situation. Doch ich glaube, dass die Römer bessere Zustände verdienen“, kommentierte Salvini.

apa

stol