Samstag, 04. Mai 2019

Dorfmann: „Die EU kostet dem Bürger 85 Cent am Tag“

Herbert Dorfmann, der am 26. Mai erneut bei den Europawahlen antreten wird, hat sich auf der SVP-Landesversammlung klar gegen Nationalismus und für ein geeintes Europa ausgesprochen.

Herbert Dorfmann bei der SVP-Landesversammlung. - Foto: DLife
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Herbert Dorfmann bei der SVP-Landesversammlung. - Foto: DLife

„Wir erleben jetzt und in nächster Zukunft den Entscheidungskampf zwischen einem geeinten, brüderlichen Europa und einem Europa eigensinniger Nationen.“ Mit diesem Zitat von Stefan Zweig begann Herbert Dorfmann seine Rede am Samstag.

Das Zitat sei 106 Jahre alt, verfasst im Jahr 1913 kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs. „Ein Jahr, bevor Europa zerstört wurde“, so Dorfmann.

Und auch heute stehe man vor einer ähnlichen Entscheidung: „Wollen wir dem Egoismus der populistischen Parteien nachlaufen, oder wollen wir weiter an einem geeinten Europa arbeiten?“

„Gegen den Nationalismus und für ein Europa der Regionen“

Die SVP stehe klar auf der Seite Europas: „Ich würde nie für eine Partei kandidieren, die nicht eindeutig auf der Seite Europas steht. Das wäre für mich nicht denkbar. Unser Land und unsere Partei haben eine Geschichte: Gegen den Nationalismus und für ein Europa der Regionen.“

Südtirol brauche unter anderem die kulturelle Verbindung mit dem Norden: „Ohne den freien Zugang zum deutschen Sprachraum, zur Presse, zum Fernsehen, zu offenen Grenzen, wir unsere sprachliche Minderheit in Südtirol zur Insel. Das darf nicht passieren.“

Auch brauche es die wirtschaftliche Offenheit: „Wir sind die Brücke zwischen dem Süden und dem Norden. Was wäre unser Tourismus, unsere Landwirtschaft, ohne diese Offenheit, ohne den freien Warenaustausch oder den Verkehr von Menschen? Uns würden tausende Arbeitsplätze fehlen“, betonte Dorfmann.

Und auch gegen den Nationalismus sprach sich Dorfmann klar aus: „In einem nationalistisch denkendem Europa wären wir nur eine nördliche Randprovinz Italiens und nicht ein Land im Herzen Europas.“

„Offenes Europa zum Nulltarif“

Die EU - so werde immer wieder vorgeworfen - koste dem Bürger viel Geld. Dem entgegnete Dorfmann: „Die EU kostet uns Bürgern 85 Cent am Tag. Aber die Gegenrechnung ist interessant: Wir erhalten im Rückfluss 250 Millionen Euro im Jahr, erhalten also mehr, als wir zahlen. Wir bekommen ein freies, friedliches und offenes Europa zum Nulltarif: Warum debattieren wir überhaupt darüber?“

Sicher gäbe es viele Dinge, die verbessert werden müssten: Ein politisches Projekt könne immer verbessert werden. Aber die Europäische Union sei notwendig, um Entscheidungen im Großen zu treffen: „Landeshauptmann Arno Kompatscher kann keine Entscheidungen zum Schutz der europäischen Außengrenzen treffen, oder zum Klima. Das muss in Brüssel gemacht werden.“ 

Abschließend warf Dorfmann die Frage auf: „Wann geht es den Menschen gut? Wenn sie Geld haben, wirtschaftlich gut dastehen und sozial integriert sind, wenn sie frei sagen können, was sie wollen, und es eine Zukunft für ihre Kinder gibt. Das haben wir in Südtirol, das haben wir in Europa. Und wenn ich mich weltweit umschaue, muss ich sagen: Ich möchte nirgendwo anders leben als in diesem Europa.“

In Bezug auf die Wahlen am 26. Mai betonte er nochmals: „Ich bin seit 10 Jahren in Brüssel und stolz darauf, die Südtiroler als Europäer zu vertreten. Es ist eine der schönsten politischen Aufgaben, die es gibt. Und ich will weiterhin meinen Beitrag leiste, für dieses Land, aber auch für den Kontinent“.

stol/liz

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