Es hat sich wie ein Leuchtfeuer in meine Erinnerung eingebrannt: Faschingssamstag 2020, das letzte närrische Hurra vor einer langen Dürre. Alles war perfekt: Das selbst zusammengestellte Kostüm (damals waren Wikinger gerade en vogue) und die Schminke saßen, das Wetter war herrlich und meine Freunde schon seit Stunden auf den Umzugswägen unterwegs. <BR /><BR />Den ganzen Tag über wurde gelacht, umarmt, gesungen, getanzt, man zog von Wagen zu Wagen und ratschte mit Bekannten, die man lange nicht gesehen hatte und die dem lustigen Treiben beiwohnten. Corona war in den Köpfen der Menschen noch Chinas Problem, hier in Südtirol standen vor allem die lustigen Masken im Vordergrund. <BR /><BR />Auch heute, 2 Jahre später, empfinde ich jenen Tag als den letzten in absoluter Gedankenfreiheit, ein unbeschwerter Tag inmitten von Hunderten von Menschen und deren Bakterien. Die letzte Fete, wo nicht ein einziges Mal der Gedanke auftauchte: „Oje, das sind aber viele Leute auf einem Haufen im geschlossenen Raum“ oder „Wo ist bloß wieder meine Maske?“. <BR /><BR />Ich würde mich grundsätzlich nicht als ängstlich bezeichnen. Auch 2 Jahre später trage ich die Gesichtsmaske – wo ich noch muss – nicht, weil ich Angst davor habe, mich zu infizieren, sondern aus Verantwortungsgefühl und Solidarität. Aus Respekt vor jenen, die vielleicht gefährdeter sind als ich. Sicher gab es in 2 Jahren immer wieder Zeiten, wo es auch mal lockerer zuging, vor allem im Sommer. Auch, dass der Green Pass heute gewisse Freiheiten erlaubt und die Maske nicht mehr überall Zwang ist, trägt zum Normalitätsgefühl bei. Und demnächst stehen dann endlich auch hier weitere Lockerungen an, der Weg in eine postpandemische Zeit scheint geebnet.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53064207_quote" /><BR /><BR /><BR />Heute ist wieder Faschingssamstag – und wieder finden einige Umzüge statt, wenn auch noch nicht so viele wie zuvor. In meinem Homeoffice hält sich die närrische Stimmung weiterhin in Grenzen. Umso schöner ist es zu sehen, dass viele die Lust auf Fasching, auf Spaß und auf gute Laune trotz Corona nicht verloren haben – im Gegenteil. <BR /><BR />Auf den Straßen tummeln sich Piraten, Prinzessinnen und Cowboys im Kinder- und im Erwachsenenformat, sie treffen sich mit Freunden und werfen Konfetti. Manch einer winkt vielleicht erneut mit Perücke und Maske vom heimischen PC aus in das Online-Meeting. Für viele fühlt es sich fast wieder an wie früher, andere warten lieber noch ein Jahr ab, bevor sie in den Faschingstrubel einsteigen.<BR /><BR /> Doch nun, wo sich die Corona-Wolken endlich lichten, wird das bunte Treiben erneut von großem Unheil im Osten überschattet: dem Ukraine-Krieg. Während sich Südtirol zum ersten Mal seit 2 Jahren wieder verkleidet, um der Normalität zu entfliehen, müssen die Ukrainer zu den Waffen greifen, um sich die Normalität und ihre Freiheit zurückzuerkämpfen. <BR /><BR />Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder 2 Jahre oder – Gott bewahre – länger dauert, ehe die Welt auch diesen dunklen Moment in der Geschichte hinter sich gelassen hat. Hoffen wir, dass der Krieg so schnell wie möglich endet.