Die Liste der Obdachlosen, die in Bozen erfroren sind, ist lang: Nicht mitten in der Stadt, sondern am Virgl im Ex-Hotel „Bellavista/Schönblick“ wurde am 17. Februar 2019 der 62-jährige Karl Hofer tot aufgefunden. Mitte Februar 2009 wurde in einem ungenutzten Lagerraum in Bozen-Süd ein 58-jähriger Marokkaner erfroren aufgefunden. Er war eine Zeitlang bei der Firma angestellt gewesen, in deren Raum er starb. Nahe der Rombrücke wurde Helmut Gasser (29) aus Völs im Jänner 2003 auf einer Sandbank im Eisackbett erfroren vorgefunden. Das Schicksal von Moustapha Wardan machte im Jänner 2000 tief betroffen. Der 34-jährige Marokkaner hatte, weil er keine Unterkunft fand, in seinem Auto übernachtet, wo er an den Folgen der Kälte starb. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/allein-gelassen-in-toedlicher-kaelte" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Am Freitag wurde nun jüngste Fall bekannt: jener des 20-Jährigen aus Ägypten, der am Bahnhof bei der Bozner Messe in einer behelfsmäßigen Unterkunft erfroren ist.</a><BR /><BR />Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt, dass es einfache und effiziente Maßnahmen dagegen gäbe.<h3> Wien macht es vor: Unkomplizierte Hilfe für den Kältenotfall</h3>„Viele Menschen wollen helfen, wissen aber nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie im Winter das Schlaflager eines akut obdachlosen Menschen sehen“, schreibt die Caritas Wien auf ihrer Website: „Wenn Sie den Schlafplatz eines obdachlosen Menschen bemerken und rasch und unkompliziert helfen möchten, rufen Sie uns bitte auf dem Kältetelefon an. Das Telefon ist von November bis Ende April rund um die Uhr, an 7 Tagen in der Woche besetzt. Sie können uns auch eine E-Mail schicken.“<BR /><BR />Durch eine solche Meldung wird in Wien der Kältebus aktiviert: Er ist täglich unterwegs, um diesen nachzugehen. Sozialarbeiter suchen die genannten Personen und Orte auf. Dort bieten sie individuelle Hilfe an und verteilen Schlafsäcke, beraten die Menschen und bringen sie in eines der Notquartiere.<h3> Mairhofer: „Gute Sache für die Wintermonate“</h3>Warum gibt es so etwas nicht in Südtirol? Beatrix Mairhofer, Direktorin der Caritas, sagt: „Das wäre eine gute Sache für die Wintermonate, damit man die Situation präsent hat und schnell etwas tun kann.“ Derzeit gebe es aber nichts Derartiges in Südtirol. „Wenn jemand einen Obdachlosen sieht, der im Winter auf der Straße schläft, sollte man einen Notruf absetzen, die 112 wählen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="842495_image" /></div> <BR /><BR />Mairhofer pocht darauf, dass es angesichts der derzeit großen Zahl an Obdachlosen andere Lösungen brauche: „Zum Teil ist auch bekannt, dass viele Menschen keine Unterkunft haben. Wir müssen die gesamte Situation anders organisieren“, sagt sie.<BR /><BR />Landeshauptmann Arno Kompatscher hat indes den Druck auf die Gemeinden erhöht, innerhalb kürzester Zeit Unterkünfte für Flüchtlinge und Obdachlose zu finden. Gemeindenpräsident Andreas Schatzer versprach, dass Land und Gemeinden gemeinsam eine Lösung finden würden. Soziallandesrätin Waltraud Deeg sprach sich dafür aus, umgehend Strukturen zu öffnen – auch angesichts der anhaltenden Flüchtlingswelle über die so genannte Balkanroute.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/obdachlose-und-fluechtlinge-in-der-kaelte-was-tun-land-und-gemeinden" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Obdachlose und Flüchtlinge in der Kälte: Was tun Land und Gemeinden in Südtirol? Das lesen Sie hier.</a>