Donnerstag, 05. September 2019

EU bestätigt neuen Chef für geheimdienstliches Lagezentrum

Der portugiesische Geheimdienstler José Casimiro Morgado ist zum neuen Chef des nachrichtendienstlichen Lage- und Auswertungszentrums der EU (Intcen) ernannt worden. Wie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Donnerstag offiziell mitteilen ließ, folgt Morgado auf den deutschen Geheimdienstler Gerhard Conrad.

Ein Portugiese steht nun an der Spitze einer der am strengsten abgeschotteten EU-Einheiten.
Ein Portugiese steht nun an der Spitze einer der am strengsten abgeschotteten EU-Einheiten. - Foto: © shutterstock

Conrad hatte seinen Posten zum Wochenende aufgegeben und geht in Kürze auch als Beamter des Bundesnachrichtendienstes (BND) in den Ruhestand. Als Nachfolger von Conrad leitet Morgado ab sofort eine der am strengsten abgeschotteten EU-Einheiten.

Das rund 80-köpfige Intcen-Team wertet nämlich unter anderem Erkenntnisse der Nachrichtendienste der Mitgliedstaaten aus und erstellt daraus aktuelle Analysen und Berichte für EU-Entscheidungsträger. Morgado führte in seiner Heimat Portugal bisher den Auslands- und Militärnachrichtendienst Servico de Informacoes Estrategicas de Defesa (SIED).

Mit Conrad verabschiedet sich unterdessen einer der wohl prominentesten europäischen Geheimdienstler aus dem aktiven Dienst. In Geheimdienstkreisen bekannt wurde der Deutsche vor allem als Vermittler in Gefangenenaustauschen und Nahost-Experte. So handelte Conrad unter anderem einen spektakulären Deal aus, über den 2008 der libanesische Top-Terrorist Samir Kuntar freikam und Israel die Leichen von zwei getöteten Soldaten zurückbekam. Zudem war Conrad auch maßgeblich daran beteiligt, dass 2011 der israelische Soldat Gilad Shalit im Austausch gegen mehr als 1.000 Palästinenser freikam.

Von BND-Präsident Bruno Kahl hatte es für Conrad bereits am Freitag viel Lob gegeben. „Dr. Gerhard Conrad beherrscht wie kaum ein anderer die gesamte nachrichtendienstliche Klaviatur zwischen operativem Geschick und diplomatischer Überzeugungskraft“, sagte Kahl der Deutschen Presse-Agentur.

apa/dpa 

stol