Dienstag, 13. September 2016

Freiheitliche kritisieren Kunstankäufe des Landes

Das Land Südtirol sammelt Kunstgegenstände - und wer Kunst sammelt, muss diese auch kaufen. Am 21. Juni 2016 hat die Landesregierung deswegen eine Kommission ernannt, die dem Land ihre Ankaufsvorschläge unterbreitet. Die Südtiroler Freiheitlichen wollten daraufhin von Landesrat Philipp Achammer unter anderem wissen, was für Kunst das Land eigentlich erwirbt und welche Kriterien dafür gelten. Philipp Achammer hat den Freiheitlichen geantwortet.

Im Landesmuseum Schloss Tirol hängen die teuersten Kunstankäufe des Landes Südtirol: 15 Zeichnungen von Walter Pichler.
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Im Landesmuseum Schloss Tirol hängen die teuersten Kunstankäufe des Landes Südtirol: 15 Zeichnungen von Walter Pichler. - Foto: © D

„Kunst, angekauft durch den Steuerzahler, hat öffentlich zugänglich zu sein“, unterstrich der Freiheitliche Walter Blaas in einer Aussendung am Dienstag. „Derzeit lagern etliche Kunstwerke, die von der Landesverwaltung angekauft wurden, in Depots, befinden sich in den Landhäusern oder in Ämtern“, kritisierte Blaas und bemängelte den eingeschränkten Zugang zum öffentlichen Eigentum.

Kunstankauf als Kunstförderung

Die Ist-Analyse der Südtiroler Kunstankäufe durch den Landtagsabgeordneten knüpft an die Antworten Philipp Achammers auf eine freiheitliche Landtagsanfrage vom 23. Juni an. Darin wollte Blaas vom Landesrat in Erfahrung bringen, wie es denn um die Kunstankäufe für die deutsche Sprachgruppe bestellt sei – Kunstankäufe, die die öffentliche Hand finanziert.

Der Kunstankauf, der durch die Kulturabteilung des Landes erfolgt, gehört, so liest man auf der Internetseite der Kulturabteilung: „zu den Fördermaßnahmen für die zeitgenössische Kunst in Südtirol bzw. für die Südtiroler Kunstschaffenden und versteht sich als längerfristige und nachhaltige Dokumentation des zeitgenössischen Südtiroler Kunstschaffens.“ 

Die Kommission besteht aktuell aus dem Kulturlandesrat selbst sowie Sabine Gamper und Eva Gratl.

1 Million Euro in 6 Jahren

Blaas wollte wissen, welche Kunstgegenstände für die deutsche Sprachgruppe seit 2010 durch das Land Südtirol angekauft wurden, welchen Wert sie besäßen und wie man sie aktuell nutze. Philipp Achammer antwortete darauf mit einer Liste, in der Künstler, Kunstwerk, Kaufwert und aktueller Standort detailliert aufgeführt werden. Die Preisspanne liegt, laut Achammers Übersicht, zwischen 400 Euro und 183.600 Euro.

Zwischen 2010 und 2015 wurden für Kunstankäufe, auch das geht aus der Übersicht hervor, insgesamt 961.586,53 Euro ausgegeben. Das Kunstankaufsbudget 2016 ist mit 77.000 Euro das geringste der letzten Jahre: 2010 standen noch knapp 300.000 Euro zur Verfügung.

Veräußert wurde von diesen Arbeiten, so Philipp Achammer schriftlich auf Walter Blaas Anfrage, keine einzige.

Achammer: „Künstlerische Qualität ausschlaggebend“

Walter Blaas wollte ebenso wissen, nach welchen Kriterien die Kunstgegenstände ausgewählt würden. Achammes Antwort: „Der Erwerb konzentriert sich auf Werke von Südtiroler Kunstschaffenden bzw. von Kunstschaffenden, deren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in der Provinz Bozen liegt. Entscheidend für die Auswahl der Kunstwerke ist die künstlerische Qualität.“ Eine Qualität, die man anhand spezifischer Kriterien überprüfe.

Blaas: „Großteil der Werke unbekannt“ – „Zentrales Museum einrichten“

Walter Blaas kommentierte Philipp Achammer am Dienstag folgendermaßen: „Ein wesentlicher Großteil der Werke ist der breiten Öffentlichkeit unbekannt, genau wie die damit verbundenen Künstler.“

Wohl auch deshalb forderte er den Landesrat auf, die Kriterien des Kunstankaufs und des bereitgestellten Budgets zu reformieren. Und legt seiner Forderung einen konkreten Vorschlag bei:

„Kunst hat einen Bildungsauftrag und dem soll sie auch nachkommen. Derzeit ist ein Großteil der Werke nur eingeschränkt für die Öffentlichkeit erschlossen. Deshalb wird anzudenken sein, im Vinschgau, Pustertal oder Wipptal ein zentrales Museum für die Kunstwerke der deutschen Sprachgruppe einzurichten. Ein zentrales Museum wäre ein wirtschaftlicher und kultureller Faktor für eine strukturschwache Gegend im Land“, meinte Walter Blaas abschließend in seiner Stellungnahme.

stol/aw

stol