Donnerstag, 17. März 2022

Gemeinderat Kastelruth tritt geschlossen zurück – Colli: „Persönlicher Angriff“

Der Gemeinderat von Kastelruth ist am Donnerstag morgen zurückgetreten, wie Gemeindesekretär Karl Erschbaumer gegenüber STOL bestätigt. Der Grund für den Rücktritt ist laut SVP-Fraktion der ungeklärte Corona-Status von Bürgermeister Andreas Colli. Die Räte der Freien Liste Kastelruth schreiben, der Führungsstil des Bürgermeisters sei das Motiv für ihren Rücktritt. Dieser kontert.

Mit dem ungeklärten Corona-Status von Bürgermeister Andreas Colli begründete die SVP-Fraktion ihren Rücktritt. - Foto: © DLife/Rosario Multari

„Die Mitglieder des Gemeinderats Kastelruth haben am heutigen Donnerstag geschlossen ihren Rücktritt eingereicht. Dies nachdem, in den vergangenen Tagen, mehrere Versuche gescheitert sind, die in den vergangenen Wochen aufgeworfene Thematik zur Green-Pass-Pflicht mit Bürgermeister Andreas Colli zu klären“, steht in einer Aussendung der SVP-Fraktion.

Freie Liste Kastelruth: „Bürgermeister hat alle Macht an sich gezogen“

„Der Bürgermeister hatte sich in den vergangenen 2 Jahren zu viel erlaubt, sich immer weiter von den Bedürfnissen der Bürger entfernt und schließlich alle Macht an sich gezogen“, schreibt hingegen die Freie Liste Kastelruth in ihrer Stellungnahme. 2021 seien nur 5 Gemeinderatssitzungen abgehalten und die Entscheidungen praktisch schon vorgelegt worden. „Das Mandat des Gemeinderates wurde damit zur Farce.“

Weiter schreibt die Liste: „Die Polemik rund um Colli sowie seine problematischen Beiträge auf Facebook und die Verbreitung von Falschnachrichten hätten das Verhältnis der SVP zu ihrem Bürgermeister noch mehr strapaziert.“

SVP: Rechtmäßigkeit der Beschlüsse zentral

Die SVP-Fraktion habe sich nach dem Rundschreiben vonseiten des Gemeindeverbandes und des Ministerrates, welche die Green-Pass-Pflicht auch für gewählte Mandatare vorsehen, eingehend mit dem Thema beschäftigt, um Rechtmäßigkeit der Verwaltung und der getroffenen Beschlüsse der Bevölkerung garantieren zu können.

Anschließend habe die SVP-Fraktion das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht und schriftlich eine Aussprache angeboten, um die Situation zu erörtern und eventuelle Möglichkeiten zu besprechen. Das Angebot sei nicht angenommen worden.

Insbesondere hätte man zunehmend den Unmut in der Bevölkerung zu spüren bekommen, da anscheinend in der Gemeinde mit zweierlei Maß gemessen würde: „Bürgermeister Andreas Colli, welcher der so genannten 2G-Pflicht unterliegt, da er das vom Gesetz vorgesehene Alter von 50 Jahren erreicht hat, wurde bereits vor 10 Tagen gebeten, seinen diesbezüglichen Status der Fraktion mitzuteilen. Man suchte wiederum das Gespräch, welches leider nicht zustande kam.“

Da Bürgermeister Andreas Colli lediglich schriftlich Stellung nahm und unter Berufung auf die Privacy-Bestimmungen keine Auskunft erteilen wollte und zudem auch bei der letzten Gemeinderatssitzung unter seinem Vorsitz keine Kontrollen durchgeführt wurden, sahen sich die Gemeinderäte außer Stande, diesen Zustand zu belassen.

Andreas Colli kontert: „Persönlicher Angriff“

Colli betrachtet den Rücktritt der 17 Gemeinderäte der SVP und der Freien Liste als persönlichen Angriff auf ihn. Man habe nach einem Grund gesucht, um ihn vom Amt zu entheben, sagt er.

Auch, dass nun ein kommissarischer Verwalter zu ernennen sei, sei problematisch. Colli: „Meines Wissens kann ein Kommissar nur die ordentliche Verwaltung durchführen. Das könnte bedeuten, dass es einen Stillstand bei wichtigen Projekten geben kann. Das ist sehr schade für unsere Gemeinde.“

Die SVP-Fraktion hingegen zeigt sich zuversichtlich, dass „in der Gemeinde mit ihren fleißigen Mitarbeitern auch in den wenigen Monaten von kommissarischer Verwaltung programmmäßig weitergearbeitet“ werde. Nach Neuwahlen könne sicherlich auch im Gemeinderat und Gemeindeausschuss mit neuem Schwung zum Wohle der Bevölkerung Kastelruths weitergearbeitet werden.

stol

Kommentare
Kommentar verfassen
Bitte melden Sie sich an um einen Kommentar zu schreiben
senden