Die Simultanübersetzung Italienisch-Deutsch ist im Landtag schon seit längerer Zeit angeboten worden – nun zieht auch der Regionalrat nach. <BR /><BR />Eine Abstimmung darüber war im Regionalrat nicht notwendig. Es genügte der Antrag eines einzigen Abgeordneten – unterschrieben haben dann aber gleich mehrere. Dadurch muss sich der Regionalrat bei seinen künftigen Sitzungen die Simultanübersetzer vom Landtag ausleihen, berichtet Landtagspräsident Sepp Noggler. Denn die Übersetzer des Regionalrates würden es sonst allein nicht schaffen.<h3> Rabensteiner prescht vor</h3>Den Stein ins Rollen gebracht hat der Villanderer Hannes Rabensteiner (Süd-Tiroler Freiheit): Er hat den Antrag gestellt, damit die Sitzungen im Regionalrat von Italienisch auf Deutsch übersetzt werden. <BR /><BR /> Unterschrieben haben diesen Antrag neben den 4 Abgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit auch Rosmarie Pamer (SVP), Jürgen Wirth Anderlan, Andreas Colli (beide JWA) und Andreas Leiter Reber (Freiheitliche). <h3> „Jeder hat das Recht auf seine Muttersprache“</h3>Rabensteiner geht es um Gleichberechtigung: „Jeder hat das Recht auf seine Muttersprache – macht man von diesem Recht nicht Gebrauch, dann geht es verloren. Man muss im Regionalrat ja auch abstimmen. Da ist es mir wichtig, jedes Wort verstanden zu haben. In Brüssel haben ja auch alle eine Simultanübersetzung. Ich schäme mich nicht, das Recht auf Muttersprache einzufordern.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-62410029_quote" /><BR /><BR />Und schließlich entstünden dem Regionalrat dadurch keine Mehrkosten, argumentiert der Abgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit. Bisher hätten die Übersetzer im Regionalrat nichts zu tun gehabt, wenn die italienischsprachigen Abgeordneten redeten.<h3> Auch Pamer will sich „bei der Fachsprache verbessern“</h3>Solidarisch mit Rabensteiner zeigt sich Rosmarie Pamer. „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass eine Übersetzung von Italienisch auf Deutsch im Regionalrat Standard ist – und war verwundert, dass es sie noch nicht gibt“, sagt die SVP-Abgeordnete, die möglicherweise kurz vor dem Sprung in die Landesregierung steht. Die Materie in einem Gesetzgebungsgremium sei sehr schwierig. <BR /><BR />„Um das Amt bestmöglich ausüben zu können, ist es wichtig, die andere Sprache genau zu verstehen“, argumentiert die Passeirer Abgeordnete. Sie werde sich „bei der Fachsprache verbessern müssen“, räumt die frühere Bürgermeisterin von St. Martin ein.<h3> Stauder hält Simultanübersetzung für „fatales Zeichen“</h3>Ganz anderer Meinung ist Harald Stauder (SVP). Dass die Trentiner Abgeordneten im Regionalrat eine Übersetzung von Deutsch auf Italienisch benötigen, sei klar. Aber von den Südtiroler Abgeordneten sollte man voraussetzen können, dass sie die Zweitsprache verstehen. Deshalb sollte auch die Simultanübersetzung im Landtag „überdacht werden“, meint der Lananer Abgeordnete. In Spitzenpositionen müsste man ein gutes Verständnis der zweiten Sprache voraussetzen. <BR /><BR />„Zudem ist es ein fatales Zeichen, wenn die zahlreichen Schulklassen, die den Landtag besuchen, den Eindruck bekommen: Je höher ich aufsteige, desto weniger muss ich die Zweitsprache selbst beherrschen – es gibt ja Übersetzer“, sagt Stauder.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-62411206_quote" /><BR /><h3> Foppa: Befremdliches Verhalten</h3>Brigitte Foppa (Grüne) erinnert daran, „dass die italienischen Abgeordneten aus dem Trentino und auch die italienischen Abgeordneten in Südtirol ein bisschen belächelt wurden, wenn sie die Kopfhörer und die Übersetzung benötigten, weil sie die zweite Sprache nicht verstanden. Das war der Tenor durch die Reihen. Dass nun plötzlich mit Stolz die Kopfhörer getragen werden, weil man Italienisch nicht versteht, hat mich sehr befremdet“, meint Foppa. „Mit patriotischem Stolz wird nun vorgetragen, dass man die zweite Sprache nicht mehr können muss“. <BR /><BR />Aber: Auch die Grünen-Fraktionssprecherin spricht sich klar für die Möglichkeit der Übersetzung aus. Wenn jemand eine Übersetzung brauche, dann sei dies zu respektieren. „Man braucht schließlich keinen Wettbewerb, um in den Landtag zu kommen“, meint die Abgeordnete.<h3> Noggler: Mir wurde angewiesen, Deutsch zu sprechen</h3>Für die Möglichkeit, die Simultanübersetzung zu nutzen, ist auch Sepp Noggler. Er sehe da kein Problem beim Antrag von Rabensteiner. Zeit zum Organisieren bleibe genug, denn vor Februar gebe es keine Regionalratssitzung mehr. <BR /><BR />Interessant: Als junger Abgeordneter habe man ihn gleich darauf hingewiesen, dass er als deutschsprachiger Abgeordneter im Regionalrat immer Deutsch sprechen solle, berichtet der Landtagspräsident. Auch die meisten seiner deutschsprachigen Kollegen würden in ihrer Muttersprache im Regionalrat kommunizieren.