Freitag, 18. Juni 2021

Murmeltier-Urteil: „Absurd und realitätsfremd“

Gleich 4 Verbände - Südtiroler Bauernbund, Jagdverband, Fischereiverband und der Verband der Eigenjagdreviere - kritisieren die Verurteilung des Landeshauptmannes a. D., Luis Durnwalder und des früheren Amtsdirektors für Jagd und Fischerei, Heinrich Erhard scharf. Für Erhard wurde nun eine Spendenaktion gestartet.

Der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Markus Heiss, Landesjägermeister Günther Rabensteiner, Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler und der Vorsitzende des Verbandes der Eigenjagdreviere Martin Ganner bei der Pressekonferenz am Freitag. - Foto: © SBB
Das Urteil des Kassationsgerichts wegen der Abschussdekrete zur Entnahme von Murmeltieren, Füchsen, Kormoranen und Steinböcken sei realitätsfremd und nicht nachvollziehbar.

Die Verbände starten nun eine Spendenaktion für Erhard, der 468.125 Euro an Schadenersatz zuzüglich 40.000 Euro an Gerichtskosten, Anwalts- und Gutachterkosten zahlen muss.

Gegrabene Löcher und Gänge als Fallen für Kühe

Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler betont, dass durch die Abschüsse nicht Schäden angerichtet, sondern verhindert worden seien. „Die Dekrete halfen mit, die Almwirtschaft zu erhalten“, meint Tiefenthaler. Denn durch die Abschüsse von Murmeltieren sei verhindert worden, dass Almhütten untergraben wurden.

Die Nagetiere würden große Löcher und Gänge in den Boden graben. Kälber könnten sich verletzen, wenn diese Hohlräume nahe an der Oberfläche liegen und die Nutztiere würden dann einbrechen. Landesjägermeister Günther Rabensteiner weist darauf hin, dass der Fuchs, wenn er nicht zahlenmäßig reguliert werde, eine Gefahr für bedrohte Tierarten wie das Auerwild werde. „Füchse sind Nesträuber und gehen auf die Auerwild-Küken los.“

Heute mehr Abschüsse genehmigt als durch den Alt-Landeshauptmann

Hatten Durnwalder und Erhard mit ihren Abschussdekreten noch Abschüsse von 1000 Murmeltieren pro Jahr erlaubt, so gebe die Umweltbehörde ISPRA heute sogar für den Abschuss von 2000 Murmeltieren pro Jahr grünes Licht. „Wir haben einen gesunden Murmeltierbestand, der nicht gefährdet ist“, meint Rabensteiner.

Der Vorsitzende des Verbandes der Eigenjagdreviere, Martin Ganner, sagt es klipp und klar: „Erhard und Durnwalder haben sich diese Situation nicht verdient.“ Die Schadensbemessung für die erlegten Tiere durch den Gutachter, die dann vom Gericht übernommen wurde, sei „unmoralisch“ gewesen.

Für Markus Heiss, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes, ist das Kormoran-Gutachten „skandalös“. Im Gutachten heiße es, diese Vögel hätten keine Auswirkung auf den Fischbestand, dabei würden diese Vögel etwa 12.000 Kilogramm Fisch in 4 Monaten fressen – Äschen, marmorierte Forellen und andere Fische.

Bemessung des Schadens „absurd“

Es sei „völlig absurd“, einen Kormoran mit 500 Euro zu bewerten, damit werde ja auch die Handwerksarbeit bewertet, so Heiss.

Nicht nur Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder wurde zu hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt, sondern auch der ehemalige Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei, Heinrich Erhard.

„Erhard stand ein Leben lang im Landesdienst und muss nun sein Erspartes und noch einiges mehr aufwenden, um einen Schaden zu begleichen, den es nicht gibt – und das wegen eines Dekretes, das im Einklang mit dem entsprechenden Landesgesetz stand und im Rahmen seiner Verwaltungstätigkeit unterzeichnet wurde“, betont SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler.

Im Gespräch mit s+ erzählte Heinrich Erhard, wie hart ihn das Urteil getroffen hatte und was es für ihn bedeutet.

Spendenkonto für Erhard eingerichtet

SBB-Obmann Tiefenthaler fordert nicht nur die Bauern, sondern die gesamte Bevölkerung auf, sich mit Erhard solidarisch zu zeigen.


Spendenkonto Raiffeisenkasse Bozen:
Murmeltierurteil Dr. Erhard
IBAN: IT34V0808111600000300022314

hof/stol