Donnerstag, 13. Januar 2022

Lanz denkt an neue Kandidatur: Handwerksvertreter ohne Betrieb

In seiner ersten Legislatur im Landtag hat sich SVP-Fraktionssprecher Gert Lanz einige Mal gefragt, „wieso ich eigentlich dort sitze“. Trotzdem lasse er mögliche Chancen nie aus und überlegt eine Wiederkandidatur. Ob er dabei aber wieder an vorderster Front vom Handwerkerverband mitgetragen wird, ist eher fraglich: Lanz fehlt aufgrund seines Konkurses ein eigener Betrieb. Zudem soll das Verhältnis abgekühlt sein.

Rüsten für 2023 und die nächste Landtagskandidatur: Gert Lanz.
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Rüsten für 2023 und die nächste Landtagskandidatur: Gert Lanz. - Foto: © SVP
Der Weg von Gert Lanz in den Landtag war steinig. Jahrzehntelang hatte lvh-Direktor Hanspeter Munter das Handwerk vertreten. Unter der Obmannschaft von Lanz verabschiedete der lvh 2012 aber eine Unvereinbarkeit im Statut, wonach Direktor und Präsident nicht im Landtag sitzen dürfen. Bösen Stimmen zufolge, um eine erneute Kandidatur Munters zu verhindern. Allemal schaffte es Lanz 2013 nicht einmal auf die SVP-Landtagsliste. Im Pustertal fehlte die Unterstützung, im Parteiausschuss scheiterte er trotz Schützenhilfe von Landeshauptmann Kompatscher an der Frauenquote.

2018 klappte es mit der Kandidatur – allerdings von Polemiken begleitet. Bekniet vom Landeshauptmann trat Lanz erst in den Ring, als im Pustertal die Würfel schon gefallen waren – was den prominenten Abgang von Christian Tschurtschenthaler nach sich zog. Auch im lvh-Gebälk knisterte es. Der Überetscher Reinhard Zublasing fühlte sich hintergangen. „Wenn Lanz antritt, habe ich keine Chance“, so Zublasing. Am Ende traten beide an – Zublasing fiel durch.

Doch auch Lanz blieb mit 9164 Stimmen und Platz 10 hinter den Erwartungen zurück – und musste seine Ambitionen auf die Landesregierung begraben. Mit Maria Kuenzer zog eine 2. Frau in die Regierung ein.

„Gab Ereignisse, da fragte ich mich schon, warum ich im Landtag sitze“

Lanz musste mit dem Amt des Sprechers vorlieb nehmen. In der eigenen Fraktion eckt der immer auf Linie des Landeshauptmanns stehende und alles sehr persönlich nehmende Lanz aber ebenso an, wie bei der Opposition. Auf Polemiken um die 600-Euro-Affäre ging er eine Zeitlang in innere Immigration. „Es gab Ereignisse, da fragte ich mich schon, warum ich im Landtag sitze“, sagt Lanz im Rückblick. Aber: „Ich bin keiner, der mögliche Chancen nicht ergreift“, fügt Lanz hinzu. Insofern sei durchaus ein Interesse an einer Wiederkandidatur 2023 gegeben, wenngleich aber noch lange nichts entschieden.

So dicke wie einst sollen die Bande zwischen Lanz und dem Handwerksverband aber nicht mehr sein. Wie vom Statut und Wahlgesetz vorgesehen, musste er als lvh-Chef zurücktreten, sitzt ohne Stimmrecht aber weiter im lvh-Vorstand. Letzthin, so heißt es, sei das Verhältnis aber „ziemlich abgekühlt“.

Um den Streit Lanz-Zublasing beizulegen, erstellte der lvh 2018 zudem eine Wahlordnung mit 3 Stufen: Handwerker mit eigenem Betrieb (Lanz, Zublasing), Handwerksnahe aus Handwerksfamilien und Wirtschaftsnahe. Wird diese Regel aufrecht erhalten, ist Lanz nicht mehr in der ersten und der am meisten unterstützten Gruppe: Seine Firma Lanz Metall aus Toblach musste Konkurs anmelden.

„Meine Frau hat einen Friseurbetrieb, weshalb ich Handwerksnahe wäre“, sagt Lanz. Es gebe viele Konstruktionen. „Dass ich momentan keinen Betrieb habe, schließt nicht aus, dass ich morgen wieder einen habe oder in einen Betrieb einsteige“, so Lanz. Auch mache er seine Wiederkandidatur nicht allein von der Entscheidung des Handwerks abhängig.

bv