Mittwoch, 13. Juli 2016

Lehrlinge: Philipp Achammer in Rom

Am Mittwoch haben sich Bildungslandesrat Achammer und Senator Hans Berger mit Arbeitsminister Giuliano Poletti getroffen. Dabei ging es um mögliche Erleichterungen in der Lehrlingsausbildung.

Hans Berger und Philipp Achammer tragen am Mittwoch Minister Giuliano Poletti
Badge Local
Hans Berger und Philipp Achammer tragen am Mittwoch Minister Giuliano Poletti

Etwa 90 Prozent aller traditionellen Lehrlingsverträge in Italien werden laut Landespresseamt nach wie vor in Südtirol abgeschlossen. Damit würde das Südtiroler Modell der dualen Ausbildung italienweit als Vorbild gelten. Schwierigkeiten bereiten allerdings zum Teil, so das Landespresseamt am Mittwoch, die staatlichen Rahmenbedingungen. Arbeitgeber würden immer wieder darauf hinwiesen, dass die strengen Jugendschutzbestimmungen im italienischen Arbeitsrecht die Spielräume gerade im Bezug auf minderjährige Lehrlinge erheblich einschränken.

Treffen zwischen Achammer, Berger und Poletti

Da die Regierung in Rom derzeit einige Korrekturdekrete zur bereits verabschiedeten Arbeitsmarktreform („Jobs act“) ausarbeitet, trafen sich Bildungslandesrat Philipp Achammer und Senator Hans Berger am Mittwoch mit Arbeitsminister Giuliano Poletti, um auf die bestehenden Probleme hinzuweisen. 

"Das duale Ausbildungsmodell Südtirols wird auf gesamtstaatlicher Ebene immer wieder als Vorbild bezeichnet. Wir haben den Minister heute Nachmittag deshalb darum ersucht, alles zu tun, damit das einzige erfolgreiche und funktionierende duale Ausbildungsmodell Italiens auch gestützt und gefördert wird", zitiert das Lpa Philipp Achammer, und weiter: "dazu gehören auch Anpassungen im Bereich des Jugendschutzes. Wir verlangen nichts Unverhältnismäßiges, sondern nur das, was heute etwa in Österreich oder Deutschland bereits Realität und Gesetz ist."

Lehrlinge sollen länger arbeiten dürfen

Zwei Abänderungsvorschläge wurden Minister Poletti übergeben: Zum einen sehen die derzeit geltenden Bestimmungen vor, dass Jugendliche im Alter von 15 Jahren höchstens sieben Stunden täglich und 35 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Dies stellt besonders bei Arbeiten, außerhalb der Betriebe - etwa auf Baustellen - eine große Hürde dar, so die entsprechende Presseaussendung, weil die Lehrlinge früher als alle anderen Beschäftigten die Arbeit beenden müssten.

Als Folge dieser unterschiedlichen Arbeitszeiten würden viele Betriebe es bevorzugen, Lehrlinge erst dann einzustellen, wenn sie mindestens 16 Jahre alt sind. Der Vorschlag sieht daher vor, dass auch für 15-jährige Lehrlinge die Arbeitszeit auf acht Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche angehoben werden kann, so wie dies die entsprechende EU-Richtlinie vorsieht.

Lehre gegebenenfalls um ein Jahr verlängern

Der zweite Punkt betrifft die mit dem „Jobs act“ im Juni 2015 eingeführte Möglichkeit, die Lehre um ein Jahr zu verlängern, wenn der Lehrling am Ende der Ausbildung den angestrebten Abschluss noch nicht erlangt hat. Laut der geltenden Auslegung besteht diese Möglichkeit nämlich nur für Lehrverträge, die nach Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen wurden.

Gemäß dem von Landesrat Achammer eingebrachten Vorschlag soll diese Bestimmung auch rückwirkend zur Anwendung kommen. Damit würde eine Ungleichbehandlung und Benachteiligung jener Lehrlinge vermieden, die bereits vorher eine Lehrlingsausbildung begonnen haben.

stol/lpa

stol