Mittwoch, 02. August 2017

Leistungsstipendium: Wer soll’s bekommen?

Die Junge Generation und die Südtiroler HochschülerInnenschaft machen sich aktuell Gedanken über das Leistungsstipendium für Südtirols Studierende. Veränderungsbedarf sehen beide Akteure, die Ansichten unterscheiden sich aber.

Bedarfsorientiert fördern - oder nicht?
Badge Local
Bedarfsorientiert fördern - oder nicht? - Foto: © shutterstock

Auf der JG-Agenda stand bei ihrem Treffen mit Bildungslandesrat Philipp Achammer vor allem ein Hauptpunkt: das Leistungsstipendium.

Dabei handelt es sich um eine Fördermaßnahme des Landes, deren Vergabe unter ausschließlicher Berücksichtigung der Leistung erfolgt, Bestimmungen über die wirtschaftliche Bedürftigkeit finden keine Anwendung. Insgesamt kommen so jährlich 330 Studenten in den Genuss von jeweils 1.160 Euro.

Dafür müssen die Studenten innerhalb eines Studienjahrs mindestens 40 ECTS-Punkte und einen Notendurchschnitt von mindestens 27/30 in Italien bzw. 1,5 im Ausland aufweisen.

JG: Studien für unterbesetzte Berufe mehr fördern

Die Anzahl der zu vergebenen Leistungsstipendien möchte die JG nun überdenken, die Zahl soll sich nach dem Bedarf und nicht nach der Anzahl der Studierenden richten. „Studien für unterbesetzte Berufe sollten mehr gefördert werden als andere, bei denen es schon großen Andrang gibt. Dies könnte auch einen Ansatzpunkt zur Bekämpfung des Ärztemangels darstellen“, konkretisiert JG-Vorsitzender Stefan Premstaller den Vorschlag.

Zudem soll es zukünftig möglich sein, ein mögliches Zweitstudium bei der Beantragung des Leistungsstipendiums miteinfließen zu lassen. Mit dieser Maßnahme würde auch die Leistung jener anerkannt, die mehrere Studien gleichzeitig absolvieren, so die JG im Gespräch mit Landesrat Achammer.

SH: Kritik an bedarfsorientierten Überlegungen

Dem zweiten Vorschlag kann auch die Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) etwas abgewinnen. Vorschläge zu Maßnahmen über die konkrete Umsetzung müssten allerdings gesammelt und ausführlich erörtert werden, unterstreichen die Studentenvertreter am Donnerstag.

Kritisch sieht die sh.asus hingegen die Forderung der JG, die Anzahl der zu vergebenden Leistungsstipendien nach Bedarf und nicht nach der Anzahl der Studierenden zu richten. Politischen Forderungen einer an rein bedarfsorientierten Überlegungen gekoppelten Bewertung und Belohnung von Studienleistungen stehe sie kritisch gegenüber, die Sorgen der JG wegen der Abwanderung junger Mediziner seien aber ernst zu nehmen.

„Der sogenannte Brain Drain von Akademikerinnen und Akademikern betrifft jedoch auch viele weitere akademische Bereiche, die nicht außer Acht zu lassen sind. Leistungsstipendien als Strategie zur Rückholung von abgewanderten Akademikern wird das Ziel verfehlen“, so die sh.asus.

Vielmehr brauche es eine Vielzahl von Maßnahmen, um Anreize für eine Rückkehr von Akademikern zu erhöhen sowie bürokratische Hürden abzubauen.

stol/aw

stol