Freitag, 23. September 2016

„Lieber Arno“: Der Frust der Ignorierten

Kurz war da, Gentiloni war da, Historiker, Presse, Landespolitiker– alle waren da. Sie nicht. Als Südtirol am 5. September 70 Jahre Gruber-Degasperi-Abkommen beging, war der Südtirol-Unterausschuss im österreichischen Nationalrat nicht geladen. Jetzt will er von Arno Kompatscher wissen, wieso.

Bekannte Gesichter und gute Laune, wohin man schaut. Jene, die zuhause bleiben mussten, waren hingegen "not amused". - Foto: USP/Oskar Verant
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Bekannte Gesichter und gute Laune, wohin man schaut. Jene, die zuhause bleiben mussten, waren hingegen "not amused". - Foto: USP/Oskar Verant

Eine Einladung ist eine schöne Sache. Auf Papier verfasst, weiß sie trotzdem Nettes zu erzählen. Man freut sich, dabei zu sein. Als Südtirol am 5. September 70 Jahre Gruber-Degasperi-Abkommen auf Schloss Sigmundskron beging (STOL hat berichtet), war die Gästeliste lang – und prominent: Die Außenminister Sebastian Kurz und Paolo Gentiloni waren da, Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi, der Hausherr Reinhold Messner, Regierungskommissärin Elisabetta Margiacchi, Merans Bürgermeister Paul Rösch, die Historiker Rolf Steininger, Michael Gehler und Eva Pfanzelter, Landesräte, Landtagsabgeordnete, Presse.

Andere kamen nicht. Dabei hätten die Mitglieder des Südtirol-Unterausschusses im österreichischen Nationalrat wohl Zeit und Lust gehabt, zur Feier zu kommen. Hermann Gahr (ÖVP), Werner Neubauer (FPÖ), Hermann Krist (SPÖ) und Georg Willi (Grüne), zum Beispiel. Nur: Sie hatten keine Einladung erhalten. Im Namen aller ihrer Ausschuss-Kollegen haben Gahr, Neubauer, Krist und Willi nun vor 2 Tagen einen Brief aufgesetzt. „Sehr geehrter Landeshauptmann Dr. Kompatscher, lieber Arno“, beginnen sie.

Südtirol feiert, „Verwunderung und Enttäuschung“ in Wien

Das Schreiben ist nur wenige Absätze lang. Als Gremium im österreichischen Parlament bemühe man sich laufend und umfassend, die Interessen und Wünsche von Südtirol zu vertreten, stellen die Politiker gleich zu Beginn fest. Es gebe laufenden und intensiven politischen Austausch, zu aktuellen und wichtigen Themen, sagen sie.

Doch als es am 5. September etwas zu feiern gab, feierten sie nicht mit. „Mit Verwunderung und Enttäuschung mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass wir zur Festveranstaltung 70 Jahre Gruber-De-Gasperi-Abkommen nicht eingeladen waren.“ Dabei sei der Vertrag „doch ein Vertrag zwischen Italien und Österreich“ gewesen. „Es sei uns daher erlaubt, von Ihnen, Herrn Landeshauptmann, eine Aufklärung über die Gründe unserer Nichteinladung zu erfragen.“

Foto: Ein Ausschnitt aus dem "Protestschreiben" an Arno Kompatscher

 

Jetzt ist Kompatscher am Zug

Die Mitglieder des Südtirol-Unterausschusses sind mittlerweile nicht mehr die einzigen, die das wissen möchten. Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Pius Leitner – der gleichzeitig das Fehlen von Tirols Landeshauptmann Günther Platter kritisch bemerkte – hat eine Landtagsanfrage zum Thema eingereicht.

stol

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Den vollständigen Brief des Südtirol-Unterausschusses an Landeshauptmann Arno Kompatscher können Sie hier nachlesen.

stol