Mittwoch, 31. Oktober 2018

Proteste bei Trumps Beileids-Besuch

Mit lautstarken Protesten haben rund 1.500 Menschen gegen den Beileidsbesuch von US-Präsident Donald Trump in der von einem tödlichen Anschlag heimgesuchten Synagoge in Pittsburgh demonstriert. Während Trump am Dienstag mit Ehefrau Melania und anderen Familienmitgliedern in symbolischen Gesten die elf Todesopfer des antisemitischen Anschlags ehrte, machten Demonstranten ihrem Unmut Luft.

Rund 1.500 Menschen protestierten in Pittsburgh gegen Trump und seinen Beileids-Besuch. - Foto: APA (AFP)
Rund 1.500 Menschen protestierten in Pittsburgh gegen Trump und seinen Beileids-Besuch. - Foto: APA (AFP)

Sie warfen ihm vor, die rechtsextreme Szene anzuspornen. Die Demonstranten versammelten sich direkt vor den Sicherheitsabsperrungen an der Synagoge und riefen unter anderem „Worte bedeuten etwas” und „Kein Hass mehr”. Auf Transparenten waren Botschaften wie „Hassreden erzeugen Hassverbrechen” oder „Trump, Sie haben Blut an den Händen” zu lesen.

Trumps Besuch in Pittsburgh trage eher zur Spaltung bei, als dass er „zusammenbringt”, sagte die 57-jährige Bibliothekarin Nonie Heystek, die sich der Demonstration anschloss. Pittsburgh sei „stärker als der Hass”, sagte die 62-jährige Pensionistin Patricia Calderone, die ein Schild mit der Aufschrift „Trumps Lügen töten” hochhielt.

Trump in Pittsburgh nicht willkommen

Vertreter der örtlichen jüdischen Gemeinde hatten bereits kurz nach dem Anschlag deutlich gemacht, dass sie keinen Besuch des Präsidenten wünschten. „Präsident Trump, Sie sind in Pittsburgh nicht willkommen, bis Sie den weißen Nationalismus umfassend verurteilen”, schrieben sie in einem offenen Brief, der auch während der Demonstration verlesen wurde. Die Unterzeichner bezeichneten den bisher tödlichsten antisemitischen Anschlag der US-Geschichte als „direkte Zuspitzung” von Trumps „Einfluss”.

Proteste gegen einen Kondolenzbesuch nach einem Gewaltakt sind in den USA ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Der Demonstration in Pittsburgh schlossen sich Menschen aller Altersgruppen und Glaubensrichtungen an. Sie verlief laut Polizei friedlich.

Aggressive Rhetorik nährt politischen Hass

Mit seinem Beileidsbesuch in der Großstadt im US-Staat Pennsylvania setzte sich Trump auch über eine Bitte des dortigen Bürgermeisters hinweg. Stadtoberhaupt Bill Peduto hatte gesagt, Trump solle besser mit seinem Besuch warten, bis alle elf Todesopfer beerdigt seien. Die Beisetzungen begannen erst kurz vor Trumps Visite.

Trump hatte kurz nach dem Anschlag Antisemitismus und andere Formen des Hasses auf Religionen und Minderheiten verurteilt. Kritiker werfen ihm jedoch vor, durch seine aggressive Rhetorik gegen politische Rivalen und gesellschaftliche Minderheiten den Boden für politische Gewalt bereitet zu haben.

apa/ag.

stol