Mittwoch, 26. August 2015

Rotweißroter Pass: Kompatscher warnt vor Risiken

Arno Kompatscher versteht, dass der österreichische Pass ein emotionales Thema ist. Doch bleibt der Landeshauptmann seiner Linie treu: In einem Interview mit der „Tiroler Tageszeitung“ (Mittwoch-Ausgabe) räumt er ein, dass die Frage der Doppelstaatsbürgerschaft derzeit keine Priorität habe – und warnt vor Risiken.

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Foto: © D

Während der Südtiroler Heimatbund derzeit Plakate mit rotweißroter Fahne und einem deutlichen „JA zur österreichischen Staatsbürgerschaft für Südtiroler“ an Bushaltestellen heftet, will Arno Kompatscher das Thema mit Vorsicht behandeln.

Er räume dem Thema keine Priorität ein, sagte er der „Tiroler Tageszeitung“. Vielmehr müsse man daran denken, dass die Auseinandersetzung darüber zu einer politischen Debatte in Rom führe, „die uns nicht gut tut“.

Experte: In 20 oder 30 Jahren

Walter Obwexer, Völkerrechtsexperte an der Universität Innsbruck, gab zudem zu bedenken, dass man „dann allen anderen Alt-Österreichern diese Möglichkeit“ einräumen müsse.

Plus: Würden nur wenige Südtiroler die österreichische Staatsbürgerschaft beanspruchen, könnte dies von Rom als nicht mehr vorhandene Bindung zu Österreich interpretiert werden.

Obwexer empfiehlt deshalb, die Frage zur Doppelstaatsbürgerschaft offen zu lassen, „weil sie derzeit auch nicht der Südtiroler Landesregierung offensiv forciert wird“. In 20 oder 30 Jahren könnte es aber anders aussehen.

Schutzfunktion bringt mehr

Abgesehen davon, gebe es bereits ein Instrument, das Südtirol eher weiterbringe, meint Kompatscher: Der „Tiroler Tageszeitung“ sagte er die Schutzfunktion „ist viel stärker als ein rotweißroter Pass“. Im Falle einer Reform der österreichischen Verfassung wäre eine Aufnahme der Schutzfunktion für Südtirol „sicher wünschenswert“.

Bereits im Februar hatte Kompatscher anklingen lassen, dass bei der Debatte rund um die Doppelstaatsbürgerschaft, die Gefahr bestehe, dass diese mehr Schaden als Nutzen bringe. Damit hatte sich der Landeshauptmann schärfste Kritik von den Schützen eingefangen.

stol

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