Nach einer dramatischen Eskalation der Gewalt in Ägypten will die Regierung offenbar die Weichen für einen Dialog mit der Opposition stellen. Der neue ägyptische Regierungschef Ahmed Schafik sagte in Kairo, die Regierung werde das Gespräch mit den Demonstranten suchen. Zugleich kündigte er eine Bestrafung der Verantwortlichen für die nächtlichen Angriffe auf Regimegegner und eine Untersuchung der Vorgänge auf dem Tahrir-Platz in Kairo an. Unterdessen untersagte die ägyptische Justiz führenden Vertretern des Regimes die Ausreise. Das Militär stellte sich schützend vor Demonstranten, die auch am Freitag massenweise protestieren wollen. Die Regimegegner fordern den sofortigen Rücktritt von Präsident Husni Mubarak - doch der schweigt weiter.US-Präsident Barack Obama betet nach eigenen Angaben für Frieden in Ägypten. Er wünsche sich, dass die Hoffnungen der Menschen Wirklichkeit werden „und dass für Ägypten und die Welt bessere Tage anbrechen“, sagte Obama in Washington.„Ich verspreche, die Ergebnisse werden offengelegt“, versicherte Schafik in einer vom ägyptischen Fernsehen übertragenen Rede. Die Angreifer hätten auf dem Platz gezielt Gewalt angewendet. Ihr Ziel sei es gewesen, Öl ins Feuer zu gießen. „Es ist nicht akzeptabel, dass Bruder gegen Bruder kämpft.“ Auch Vizepräsident Omar Suleiman sprach laut Staatsfernsehen mit Vertretern von sechs kleineren Oppositionsparteien. Führende Oppositionelle verlangen als Bedingung für einen Dialog allerdings den sofortigen Rücktritt von Mubarak. Die neue ägyptische Regierung will die dramatische politische Lage auch mit der islamistischen Muslimbruderschaft besprechen. Keine Gruppe werde vom Dialog ausgeschlossen, sagte Schafik. Die Muslimbrüder sind in Ägypten offiziell verboten, sie haben aber viele Anhänger - und wollen an einer Regierung der nationalen Einheit beteiligt sein. Nach der Rückzugsankündigung des Präsidenten tritt auch dessen Sohn Gamal Mubarak nicht bei den Präsidentschaftswahlen an. Gamal Mubarak galt als möglicher Nachfolger seines seit fast 30 Jahren herrschenden Vaters. Der Staatschef hatte am Dienstag angekündigt, nach sechs Amtszeiten bei den nächsten Wahlen im September nicht mehr antreten zu wollen. Die Armee stellte sich am Donnerstag zwischen die verfeindeten Gruppen. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag vom Tahrir-Platz berichtete, gingen Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren zwischen den Fronten in Stellung.