Mittwoch, 26. Juni 2019

„Schwarze Flagge“: Südtirol wehrt sich

„Legambiente bestraft Südtirol für seine Vorreiterrolle in Sachen Pflanzenschutz“, ärgert sich Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler. In einem offenen Brief weist er die Vorwürfe von Legambiente als entschieden zurück. Die Kritik und die „Schwarze Flagge“ seien ungerechtfertigt.

Für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hagelte es scharfe Kritik. Foto: Südtiroler Apfelkonsortium
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Für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hagelte es scharfe Kritik. Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

In einem offenen Brief an den Legambiente-Präsidenten Stefano Ciafani zeigt sich Schuler erstaunt über die „schwarze Flagge“ (STOL hat berichtet), die Legambiente vergangene Woche dem Land Südtirol verliehen hat: „Dieser Vorwurf ist ungerechtfertigt. Legambiente bestraft uns dafür, dass wir weit mehr als die anderen italienischen Regionen für den Wasserschutz tun“.

Bekanntlich verleiht Legambiente die „schwarzen Flaggen“, wenn aus ihrer Sicht Umweltsünden vorliegen. Dem Land Südtirol wirft sie vor, mit einem Beschluss vom 12. März den Einsatz potenziell gefährlicher Pflanzenschutzmittel in den Wasserschutzzonen zu erlauben – in einem Gebiet, das diesen Substanzen ohnehin schon ausgesetzt sei.

Falsche Legambiente-Interpretation? 

In dem ausführlichen Brief stellt der Landwirtschaftslandesrat klar: „Südtirol geht mit dem Thema Pflanzenschutz sehr vorsichtig um“. Legambiente interpretiere den Beschluss der Landesregierung falsch: Dieser sehe nämlich eine Positivliste für zugelassene Pflanzenschutzmittel in Wasserschutzgebieten vor, wie das Land in einer Presseaussendung klar stellt. 

„Damit schließen wir alle anderen Pflanzenschutzmittel aus, die laut italienischem Gesetz ebenfalls verwendet werden dürften. Es geht uns darum, Wasserschutz und landwirtschaftliche Produktion in Einklang zu bringen. Mit dem Beschluss haben wir einen weiteren Schritt in diese Richtung gesetzt“, erklärt Schuler.

„Strenge und transparente Linie“

„Keine andere Region hat eine solche Positivliste erstellt. Während also andere Regionen viel mehr Pflanzenschutzmittel erlauben, kritisiert Legambiente uns für unsere strengere, aktivere und zudem transparente Linie in Sachen Pflanzenschutz,“ betont Landesrat Schuler. 

Was Legambiente zudem laut Schuler übersieht: Auf 82 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Oberfläche in Südtirol werden demnach überhaupt keine Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger ausgebracht. Dies bedeute, dass solche Substanzen „nur auf 5 Prozent der gesamten Landesfläche überhaupt Anwendung finden“. Zudem überwache das Land  die Verwendung der Pflanzenschutzmittel. Keine der aktiven Substanzen wurde jemals im Südtiroler Trinkwasser gefunden, heißt es in der Presseaussendung.

Seit mehr als 30 Jahren setze die Südtiroler Obstwirtschaft auf die integrierte Produktion. Sie verzichte nicht nur freiwillig auf Pflanzenschutzmittel, sondern achte auf einen gesamtheitlich umweltfreundlichen Betrieb, inklusive Bodenfruchtbarkeit, Ausbringungstechnik und vielem mehr. 

stol

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