Donnerstag, 01. September 2016

Spronser Tal: Schluss ohne Beschluss

Am Vormittag nach der Gemeinderatssitzung sagt Bürgermeister Erich Ratschiller: Die Straße ins Spronser Tal, das hat sich wohl erledigt. Es ist ein Schlussstrich ohne Beschluss.

Das Ziel ist in weite Ferne gerückt: Die Interessentschaft Spronser Alp hat auf dem Weg zur Bockerhütte mehrere technische Hindernisse zu bewältigen.
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Das Ziel ist in weite Ferne gerückt: Die Interessentschaft Spronser Alp hat auf dem Weg zur Bockerhütte mehrere technische Hindernisse zu bewältigen. - Foto: © D

Als die Mitglieder des Gemeinderats von Dorf Tirol am Mittwochabend zusammensitzen, erkennen sie plötzlich, dass es sie heute gar nicht braucht. Der Gemeinderat ist handlungsunfähig – „nicht zuständig“ zum einen, „befangen“ zum anderen.

Seit geraumer Zeit treibt die Interessentschaft Spronser Alpe einen Traktorweg zur Bocker Hütte voran. Heimat- und Umweltschützer zetern, doch die Interessentschaft bleibt bei ihrer Forderung. Mittendrin die Gemeinde Dorf Tirol, die am Mittwoch über die Durchquerung der Grundparzellen abstimmen und somit den Weg nach Sprons ebnen sollte. Oder den Antrag zurückweisen und die Straßen-Idee begraben.

Die Gemeinde Tirol tat nichts dergleichen. Kurz vor der Sitzung habe man nämlich bemerkt, dass man für den Antrag „die komplett falsche Adresse“ sei, sagt Bürgermeister Erich Ratschiller. 3 der 4 Grundparzellen, von denen im Antrag die Rede war, sind zwar im Besitz der Gemeinde, werden allerdings von einer Eigenverwaltung geführt. Damit sind sie „mit Gemeinnutzungsrechten belastet“. Heißt: Im Fall der Gemeinde Tirol müsste der Gemeindeausschuss über diese 3 Parzellen entscheiden, nicht aber der Gemeinderat.

10 von 15 Gemeinderatsmitgliedern sind befangen

Käme der Antrag auf den Tisch des zuständigen Organs, des Gemeindeausschusses, sieht der Bürgermeister trotzdem keine Chance für seine Behandlung, geschweige denn seine Genehmigung. Denn: Nur eine Person im Ausschuss, Vizebürgermeister Johann Ladurner, sei in der Angelegenheit nicht befangen.

Der große Rest – 4 Mitglieder des 5-köpfigen Ausschusses und 10 des 15-köpfigen Gemeinderats – ist selbst Mitglied bei der Interessentschaft Spronser Alpe. Viele erfuhren davon erst vor wenigen Stunden.

„Auch ich bin Mitglied“, sagt der Bürgermeister und lacht. „Nur wusste ich davon nichts mehr.“ Von seinen Eltern habe er einst Weiderechte in Sprons geerbt – und wurde damit quasi automatisch Mitglied der Interessentschaft, die nun jene Straße bauen will, die Ratschiller so sauer aufstößt.

Für die Interessentschaft wird es nun „äußerst schwierig“

Angst davor, dass der ungeliebte Forstweg wirklich gebaut wird, hat der Bürgermeister spätestens seit Mittwoch fast keine mehr. Der Gemeinde seien die Hände gebunden, „Befangenheit ist Befangenheit.“ Zwar wisse er nicht, was die Interessentschaft nun vorhabe, man könnte versuchen, einen Kommissar mit der Angelegenheit zu betrauen, doch selbst dann, meint Ratschiller, „wird das Ganze äußerst schwierig“. Und schließt mit Worten, die er am Donnerstag wohl besonders gerne wiederholt: „Ich plädiere weiter für den Ausbau der Materialseilbahn und einen schönen Wanderweg.“

stol/pg

stol