Samstag, 07. März 2020

Unterberger zum Frauentag: „Gleichstellung statt Mimosen“

Der 8. März soll nicht ein Tag sein, an dem man den Frauen Mimosen schenkt, sondern ein Tag, der an die noch notwendigen Schritte für eine substantielle Gleichstellung der Geschlechter erinnern soll. Das erklärte SVP-Senatorin Julia Unterberger in einer Aussendung.

Julia Unterberger zum Frauentag am 8. März: „Gleichberechtigung statt Mimosen.“
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Julia Unterberger zum Frauentag am 8. März: „Gleichberechtigung statt Mimosen.“ - Foto: © ANSA / Riccardo Antimiani
„Der Notstand rund um das Coronavirus hat uns erneut vor Augen geführt, dass Italien jenes Land ist, das die zweitälteste Bevölkerungsstruktur der Welt aufweist. Die Geburtenrate nimmt immer mehr ab – nicht, weil die Frauen sich keine Kinder mehr wünschen, sondern weil sie sich immer noch zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen und weil ihnen die finanzielle Sicherheit fehlt, Kinder in die Welt zu setzen“, schreibt Unterberger

Paradoxerweise seien die Geburtenraten eine aussagekräftige Kennzahl für die Gleichstellung der Geschlechter geworden: In Ländern mit einer hohen Frauenbeschäftigung sei auch die Anzahl der Geburten hoch.

In Schweden etwa liege die Erwerbstätigkeit von Frauen bei 70 Prozent – auf jede Frau fallen im Durchschnitt etwa 2 Geburten. „Ganz anders in Italien: Nur 50 Prozent der Frauen gehen einer Erwerbstätigkeit nach und auf jede Frau fallen durchschnittlich 1,31 Geburten“, erklärt die SVP-Senatorin.

„Es braucht politische Anstrengungen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten – und um die geschlechterbedingte Diskrepanz zwischen den Gehältern zu bekämpfen: Bei gleicher Qualifikation verdienen Frauen immer noch ca. 17 Prozent weniger als Männer.“

Gleichstellung nicht nur im Beruf,sondern auch von der Familie

Auch Männer, so ist Unterberger überzeugt, müssen mehr in die unbezahlte Arbeit in der Familie eingebunden werden. In vielen europäischen Ländern sei bereits eine Vaterprämie vorgesehen; falls die Väter mindestens die Hälfte der für das Paar vorgesehenen Elternzeit beanspruchen, werden zusätzliche Monate an Freistellung gewährt.

In Italien hingegen ist die Zuständigkeit der Frau für die Familie immer noch in der Verfassung festgeschrieben. Art. 37 unterstreicht zwar, dass einer Frau bei gleicher Arbeitsleistung derselbe Lohn wie einem Mann zustehe. Gleichzeitig nennt er den Dienst für die Familie die wesenhafte Aufgabe der Frauen, für die ihr und dem Kind ein besonderer, angemessener Schutz zufalle.

„Es wäre höchstens an der Zeit, diesen Artikel abzuändern: Denn die Gleichstellung der Geschlechter bedeutet gleiche Chancen und Zuständigkeiten im Beruf und in der Familie.“

Frauen in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert

„Der Anteil von Frauen in Führungspositionen liegt in Italien bei nur 27 Prozent: Dieser Wert liegt weit unter dem europäischen Mittel (33,9 Prozent). Frauen sind in den Spitzenpositionen unterrepräsentiert – und sehr oft üben sie Tätigkeiten aus, die nicht ihrem tatsächlichen Studientitel entsprechen“, so Unterberger weiter.

Daher brauche es dringend ein flächendeckendes Kinderbetreuungsnetz, Maßnahmen zur Einbindung der Väter und ein Umdenken in der Gesellschaft.

„Auch die Beteiligung von Frauen am politischen Leben muss gefördert werden: Anzusetzen ist etwa bei den Wahlgesetzen. Die Bindung einer zweiten Vorzugsstimme bei Wahlen, an die Vergabe derselben an das andere Geschlecht, wäre ein wirkungsvolles Instrument. Leider war bisher in vielen Regionen der diesbezügliche Widerstand der Männer nicht zu überwinden.“

Senatorin Unterberger schließt mit: „Es gibt noch viel zu tun: Daran soll uns der 8. März erinnern.“

liz