Montag, 20. Mai 2019

US-Botschafter besucht erstmals seit vier Jahren Tibet

Erstmals seit vier Jahren besucht ein US-Botschafter Tibet. Die chinesischen Behörden hätten Botschafter Terry Branstad die Einreise in die Region genehmigt, teilte die US-Botschaft in Peking am Montag mit. Vor zwei Monaten hatte das US-Außenministerium Peking vorgeworfen, US-Diplomaten, -Journalisten und -Touristen „systematisch“ an der Einreise zu hindern.

Us-Botschafter Terry Branstad und Präsident Xi Jinping bei einem Treffen im Jahr 2017. Branstand hat nun erstmals seit 4 Jahren Die umstrittene Region Tibet besucht.
Us-Botschafter Terry Branstad und Präsident Xi Jinping bei einem Treffen im Jahr 2017. Branstand hat nun erstmals seit 4 Jahren Die umstrittene Region Tibet besucht. - Foto: © APA/AP

Branstad brach den Angaben zufolge am Sonntag zu seiner Reise in die Qinghai Provinz und nach Tibet auf. Bis Samstag wird er Schulen sowie Kulturerbestätten besuchen und sich mit Vertretern der Region treffen. Der Besuch sei eine Gelegenheit, um mit den örtlichen Vertretern über Einschränkungen der Religionsfreiheit und den Erhalt der tibetischen Kultur und Sprache zu reden, sagte ein Sprecher der Botschaft.

Nach Angaben des US-Außenministeriums wurden im vergangenen Jahr fünf von neun Anfragen aus den USA, Tibet zu besuchen, abgelehnt – darunter eine von Branstad. Die chinesischen Behörden begründen die Zugangsbeschränkungen zu der Region unter anderem mit besonderen „geografischen und klimatischen Bedingungen“. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte indes, er wisse nichts von einer Ablehnung eines früheren Einreiseantrags von Branstad. Die Spannungen zwischen den USA und China haben in den vergangenen Monaten wegen des Handelsstreits zugenommen.

Der schwer zugängliche buddhistische Klosterstaat Tibet war von 1720 bis 1912 chinesisches Protektorat und nach dem Ende des chinesischen Kaisertums faktisch selbstständig. 1950/51 marschierten chinesische kommunistische Truppen in Tibet ein. 1959 nach der Niederschlagung des großen Volksaufstands gegen die Chinesen floh das damalige geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter, der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, mit über 100.000 Landsleuten über die Grenze nach Indien.

1965 errichtete Peking die „Autonome Region Tibet“; deren Fläche ist wesentlich kleiner als die des alten Tibet, von dem Teile den chinesischen Provinzen Qinghai und Sichuan zugeschlagen wurden. Menschenrechtsorganisationen und der Dalai Lama, der sich aus der Exil-Regierung zurückgezogen hat, und nur mehr geistliches Oberhaupt geblieben ist, haben Peking unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen, sowie „kulturellen Völkermord“ durch die massive Ansiedlung von Han-Chinesen vorgeworfen. Peking seinerseits beschuldigt den Dalai Lama, nach der Loslösung Tibets von China zu streben. Der Friedensnobelpreisträger weist dies zurück und betont stets, er wolle lediglich größere Autonomie für die Tibeter. Aus Protest gegen die chinesische Herrschaft kam es immer wieder dazu, dass sich Tibeter selbst anzündeten.

apa/afp

stol