Montag, 04. Februar 2019

Venezuela-Krise: Guaidó ruft Italien zu seiner Anerkennung auf

Während die österreichische Bundesregierung und mehrere andere EU-Staaten Juan Guaidó als Interimspräsidenten Venezuelas anerkannt haben, hat Italien diesen Schritt bisher nicht gesetzt.

Antonio Tajani ist für eine Anerkennung Juan Guaidós.
Antonio Tajani ist für eine Anerkennung Juan Guaidós. - Foto: © APA/AFP

Im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“ (Montagsausgabe) appellierte Guaidó an die Regierung in Rom, ihn sofort anzuerkennen, wie es bereits viele andere EU-Länder getan hätten.

„Bei uns gibt es viele Italo-Venezolaner mit italienischem Pass, oder die das Recht haben, diesen zu erhalten“, erklärte Guaidó. Rom sollte dies berücksichtigen und sich ihnen gegenüber verantwortungsbewusst zeigen, forderte er. „Die Regierung sollte uns unterstützen, weil wir Freiheit und Demokratie verteidigen“, so der oppositionelle Parlamentspräsident, der sich vor fast zwei Wochen selbst zum Staatsoberhaupt ernannt und damit den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro herausgefordert hatte.

Zuvor hatte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kritisiert, dass sich die EU-Mandatare der Fünf-Sterne-Bewegung, der Lega und viele aus den Reihen des PD bei der Abstimmung enthalten haben, bei der das EU-Parlament vergangene Woche mit großer Mehrheit Oppositionsführer Guaidó als rechtmäßigen Interimspräsidenten Venezuelas anerkannte. „Damit haben sie eine Gelegenheit verpasst, sich klar gegen die Diktatur von Nicolás Maduro auszusprechen“, kritisierte Tajani.

In Sachen Venezuela ist es zwischen den Koalitionspartnern Lega und Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) zu Differenzen gekommen. Der M5S-Spitzenpolitiker Alessandro Di Battista sprach sich gegen eine Anerkennung von Guaidó aus und warnte davor, dass Venezuela zum „Libyen Südamerikas“ werden könnte. Es gehe nicht darum, Maduro zu verteidigen, sondern eine weitere Eskalation der bereits Jahre andauernden Gewalt im Land zu vermeiden.

Di Battistas Worte lösten Ärger in der verbündeten Lega aus. Der rechtsgerichtete Vizepremier und Lega-Chef Matteo Salvini sagte, Maduro unterdrücke sein Volk durch Gewalt und Hunger. Zudem litten zahlreiche in Venezuela lebende Italiener unter dessen Regime. Oppositionskräfte forderten M5S-Vorsitzenden Luigi Di Maio auf, die Position seiner Bewegung bezüglich der Krise Venezuelas zu klären.

apa

stol