Donnerstag, 24. März 2022

Widmann: „Komplette Machtübernahme geplant“

Lange hat er geschwiegen, jetzt redet Gesundheitslandesrat Thomas Widmann im Interview mit den Dolomiten Tacheles. Hinter der Veröffentlichung der Abhörprotokolle stünden knallharte Interessen, eine kleine Gruppe habe die „komplette Machtübernahme“ in der SVP geplant, sagt er. Dreh- und Angelpunkt sei Karl Zeller. Damit die SVP wieder das Vertrauen der Menschen gewinnt, müssten die Unstimmigkeiten ausgeräumt und die Wähler mit einer modernen Politik überzeugt werden, fordert Widmann.

Landesrat Thomas Widmann: „Alles, was Südtirol heute ausmacht, hat die SVP in fast 60 Jahren aufgebaut. Jetzt muss sie das Vertrauen bei der Bevölkerung zurückgewinnen. “ - Foto: © Screenshot

Interview: Toni Ebner

„Dolomiten“: Wieso kritisieren Sie die Veröffentlichung der Abhörprotokolle?
Thomas Widmann: Die Abhörungen wurden im Zuge staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen durchgeführt. Sie haben ergeben, dass gegen die nun in den Veröffentlichungen genannten Personen nichts Strafrechtliches vorliegt. Jetzt versuchen interessierte Kreise, diese Personen in ein Korruptionsumfeld zu schieben, das gar nicht existiert.

„D“: Besteht kein öffentliches Interesse?
Widmann: Es ist zu Recht verboten, derartige Beweismittel zu veröffentlichen. Auch, weil damit sehr leicht die öffentliche Meinung manipuliert werden kann.

„D“: Es wurden auch Audiodateien online gestellt, wie sehen Sie das?

Widmann: Auch Audiodateien sind manipulativ, denn es wurden nur Abhörprotokolle von Personen veröffentlicht, die den Vize-Parteiobmann Karl Zeller kritisiert haben. Die Protokolle der anderen Seite fielen unter den Tisch. Zudem wurden Telefonate aus dem Zusammenhang gerissen oder um wesentliche Teile beschnitten oder in einen anderen Zusammenhang gestellt.

„D“: Haben Sie ein Beispiel?
Widmann: Was mich betrifft, der ich nur ganz am Rande der Tausenden Seiten der Abhörprotokolle vorkomme, wird zum Beispiel völlig unterschlagen, dass Gatterer offenbar überlegt hat, auch mich anzuzeigen und mich auch stark kritisiert hat. Das wurde bewusst weggelassen, denn sonst hätte sich das vermeintliche Komplott nicht konstruieren lassen. Oder nehmen Sie das Beispiel Meinhard Durnwalder. Er hat sich allein im Sinne Südtirols für die gesamte Transportbranche und nicht für Einzelinteressen in Rom für die Klärung einer Mehrwertsteuer-Causa eingesetzt. Das ist innerparteilich anerkannt und auch von den anderen Parteien. Trotzdem wird ihm Interessenahme unterstellt, um ihm zu schaden.

Auch Audiodateien sind manipulativ, denn es wurden nur Abhörprotokolle von Personen veröffentlicht, die den Vize-Parteiobmann Karl Zeller kritisiert haben.
Landesrat Thomas Widmann


„D“: Wurden Sie mit den Vorwürfen konfrontiert?
Widmann: Eben nicht, mich hat niemand der beiden Autoren kontaktiert und die anderen mit haltlosen Vorwürfen überzogenen Personen auch nicht. Es ist ein journalistisches Buch, eine vermeintliche Enthüllungsgeschichte. Nach allen Grundsätzen des Journalismus müssen Betroffene aber angehört werden. Hier ist das nicht passiert. Eine Recherche hätte nicht das von vornherein gewünschte Ergebnis gebracht.

„D“: Auch Sie sind darin eine zentrale Figur. Was sagen Sie dazu?
Widmann: Es ist atemberaubend, wie hier Dinge verdreht werden und die Täter selbst ohne Scham „Haltet den Dieb rufen!“ Das veröffentlichte Buch markiert den bisherigen Höhepunkt einer lange geplanten Strategie.

„D“: Warum sollte jemand eine Affäre lostreten, nur um 2 oder 3 Parteikollegen zu schaden?
Widmann: Es geht ganz klar um Interessen.

Diejenigen, die ohne Anstand und Moral diese Abhörprotokolle weitergegeben und benutzt haben, müssen ihre Position in der SVP und ihre Loyalität klären!
Landesrat Thomas Widmann


„D“: Gibt es dazu Namen?
Widmann: Um Karl Zeller kommt man in dieser Sache nicht herum, er ist Dreh- und Angelpunkt. Er ist Vize-Parteiobmann. Zum einen Koordinator der Spenden im Wahlkampf 2018. Zum anderen Berater von Unternehmen, die gespendet haben und von Privaten, deren Projekte der Landesregierung vorgelegt werden. Zusätzlich ist er der Anwalt des Landeshauptmanns. Zuletzt Berater der Landesverwaltung bei PPP-Projekten. Es ist unbegreiflich, dass diese Faktenlage von sich kritisch gebenden Medien stillschweigend akzeptiert wird und die vermeintlichen Enthüller ihm auch noch das Geschäft besorgen. Wer parteiintern Zellers Mehrfachposition kritisch hinterfragt, wird zur persona non grata. Und jetzt plötzlich tauchen die Audio-Protokolle auf…

„D“: Das sind harte Worte...
Widmann: Das sind Tatsachen und das muss gesagt werden, um das Buch einordnen zu können.

„D“: Wie kann die Partei bei ihren Mitgliedern wieder Vertrauen schaffen? Durch Rücktritte?

Widmann: Wenn man damit rechnen muss, dass sehr persönliche, vertrauliche Telefonate veröffentlicht werden, ist natürlich das Vertrauen erst mal dahin. Das zu veröffentlichen, grenzt an die Methoden in einem Überwachungsstaat. Diejenigen, die ohne Anstand und Moral diese Abhörprotokolle weitergegeben und benutzt haben, müssen ihre Position in der SVP und ihre Loyalität klären! Jetzt das Buch zu lancieren, um den Parteiobmann zu diskreditieren, ist der Beweis für den lange vorbereiten Plan der kompletten Machtübernahme in der SVP durch eine kleine Gruppe.

Es geht ganz klar um Interessen.
Landesrat Thomas Widmann


„D“: Sehen Sie für die SVP eine Zukunft?
Widmann: Alles was Südtirol heute ausmacht, hat die SVP mit ihren Landeshauptleuten, insbesondere Silvius Magnago und Luis Durnwalder, in fast 60 Jahren aufgebaut. Sie können in jedem Dorf die Handschrift unseres Tuns erkennen. Wir müssen nun die Unstimmigkeiten ausräumen und die Wähler mit einer modernen Politik begeistern. Das können wir. Das machen wir!

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Hermann Zanier
24. März 2022 07:52
genügt es denn, die Unstimmigkeiten auszuräumen? Da gehören schon gewisse Personen weggeräumt und vor allem muss wieder etwas her, nämlich Anstand